Rusconi und Fred Frith: Im Spieltrieb vereint

Pianist Stefan Rusconi über die Entwicklung seines Trios und das neue Live-Album mit Fred Frith

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Mit Rusconi, seinem Trio mit dem Bassisten Fabian Gisler und dem Schlagzeuger Claudio Strüby, reiht sich der Zürcher Pianist Stefan Rusconi seit bald 15 Jahren in die Riege der Erneuerer des klassischen Klaviertrios im Jazz ein. „Garagen-Jazz“ nannten Kritiker ihren charakteristischen, sehr zugänglichen und bis 2012 bei Sony erscheinenden Mix aus Jazz, Rock und Pop, der Einflüsse aus der elektronischen Musik bis hin zum Noise-Rock einer Band wie Sonic Youth – deren Kompositionen sie 2010 auf dem Album „It’s A Sonic Life“ interpretierten – verarbeitet. Nun ist beim eigenen „Qilin“-Label das Album „Live in Europe“ erschienen, das die gemeinsame Tour mit dem amerikanischen Avantgarde-Gitarristen Fred Frith dokumentiert.

Wie habt ihr und Fred Frith euch gefunden?
Stefan Rusconi Wenn man seit ein paar Jahren unterwegs ist, denkt man über Gäste nach. Wir haben uns zuletzt immer wieder mal mit verschiedenen Leuten getroffen und sie zum Mitspielen eingeladen. Bei manchen hat es wider Erwarten nicht gepasst, bei anderen sehr gut. Ich glaube, es geht natürlich um Geschmack und eine ähnliche ästhetische Ausrichtung, aber auch sehr viel um Haltung. Was will ich in der Musik oder sogar im Leben? Was ist es, das mich da fasziniert, was ich leben möchte?

Da seid ihr euch mit Fred Frith ebenso einig wie in der Liebe zu extravaganten Sounds?
Stefan Rusconi Ja, da decken wir uns mit ihm exakt. Nicht im Musikalischen, die Musik seiner Bands ist ganz anderes als unsere, und das hat ihn ebenso gereizt wie uns. Aber die Grundeinstellung, auf der Bühne in einem definierten Kontext Dinge zu wagen und so anzuspielen, dass sie scheitern könnten, aber dann doch die Kurve kriegen, dieses Spielerische, das teilen wir. Wir kennen ihn inzwischen besser, er ist öfter bei Fabian in Basel zu Besuch, weil er ja in Basel unterrichtet. Wir spielen dann alle mit Fabians drei Kindern.

Einfach einmal geklingelt

Ihr habt ihn also einfach gefragt, ob er mitmachen will?
Stefan Rusconi  Naja, es war auch ein bisschen Zufall. Wir waren für unsere „Revolution“-Platte in dem Haus, in dem wir immer aufnehmen. Wir bauen uns da immer selbst ein Studio zusammen und nehmen uns selber auf, ganz ohne diesen Strukturdruck, dass Techniker da sind, die gerne nach Hause möchten. Nur aufnehmen, das ist echt einfach. Wir haben einen Techniker, der richtet uns alles ein, und dann darf er wieder gehen. Das ist für den und für uns schön. In dieser Atmosphäre kam uns dann bei einem Track, bei „Alice In The Sky“, die Idee, dass da der Sound von Fred Frith perfekt passen könnte. Und er arbeitete quasi nebenan. Wir haben geklingelt, ihn gefragt, und er war sofort dabei.

So einfach geht das manchmal.
Stefan Rusconi Ja, und das ist schon sehr schön, denn zu der Zeit hatten wir noch einen Manager. Und es lief bei solchen Features normalerweise so, dass der Manager einer Agentur oder irgendeinem Assistenten eine Mail schreibt, und dann die Anfrage hin und her geht. Das ist oft ein bisschen verkrampft und komisch. So hieß es halt: Ja klar, lasst uns ein bisschen spielen gehen, in den Keller runter. So ist das Ganze dann entstanden.

Das war dann direkt vor den Konzerten, bei denen das Album entstanden ist?
Rusconi and Fred Frith_1Stefan Rusconi Nein, wir hatten etwa ein Jahr Pause dazwischen. In der hat Fabian immer mehr Gitarre gespielt, weil wir durch Fred gemerkt hatten, wie sehr wir diesen Sound gebrauchen können. Da kamen wir auf die Idee, mit ihm ein paar Konzerte zu spielen. Es hat sich also ganz natürlich ergeben, war kein Festivalprojekt – was auch toll sein kann -, und war deshalb total entspannt.

Ihr tourt jetzt aber gar nicht mit Fred?
Stefan Rusconi Nein, im Moment spielen wir ohne ihn. Ich weiß, das ist jetzt nicht im Sinne eines klassischen Marketings. Aber wir hatten viele Gastfeatures zuletzt, und es ist jetzt schön, mal wieder auf einer Tour zu sein, wo wir mal wieder den ganzen Abend nur für uns haben (lacht).

 „Die Schweiz ist so klein“

Du hast in Zürich studiert, Fabian in Basel und Claudio aus Luzern. Wie habt ihr euch denn gefunden, damals vor bald 15 Jahren?
Stefan Rusconi Die Schweiz ist so klein. Da ist dann halt die eine Jam Session in Bern, die nächste in Luzern, da bist du eine Stunde unterwegs. In Berlin, wo ich seit einiger Zeit wohne, brauche ich die fast, nur um in den Übungsraum zu kommen.

Kann man sagen, dass die klaren Strukturen, das Rhythmische und das Hymnische eurer alten Alben jetzt in einen starken Kontrast zu Noise- und freien Improvisationsphasen treten? Dass also eure Ästhetik offener ist als früher?
Stefan Rusconi  Ja, das Gefühl habe ich auch. Das hat sich aber schon mit dem „History Sugar Dream“-Album und in den vergangenen zwei Tour-Jahren so entwickelt. Die Funktion von Fred kann auch immer jemand von uns übernehmen. Ich spiele dann halt mehr Synthi-Bass und Fabian Gitarre. Wir haben dann freilich immer noch den Kontext einer quasi konventionellen Band; bei Fred konnten wir wieder auf unsere Ur-Instrumente zurückkommen, gleichzeitig ergab sich sehr viel Raum, eine Spielwiese zum Ausprobieren. Die Stücke sind verschachtelter. Das ist, wo wir jetzt stehen, denke ich.

Esbjörn Svensson hat von seinem Trio mal gesagt: „Wir sind eine Rock-Band, die Jazz spielt“. Trifft das auch für euch zu?
Stefan Rusconi Das würde ich nicht sagen. Der Claudio etwa spielt schon ein sehr distiguiertes Jazz-Schlagzeug. Esbjörn Svensson war so zehn Jahre vor uns, aber wir haben das schon mitbekommen: Es war damals richtig, sich ein bisschen zu distanzieren, zu sagen: Wir sind eine neue Generation, wir schauen auf die Geschichte ein bisschen anders, wir haben andere Höreinflüsse. Aber trotzdem: Für uns bleibt Jazz immer ein wichtiger Bezugspunkt. Es gibt halt viele Schnittstellen, auch bei der Film- und Theatermusik, die ich schreibe. Auch für Claudio und Fabian, wir loten unsere eigene Welt aus, eine sehr bildhafte.

„Wir fühlen uns Leuten verbunden, die an den Rändern arbeiten“

Dazu passen die Licht- und Videobegleitung eurer Konzerte. Ihr denkt Musik wohl sehr interdisziplinär?
Stefan Rusconi Ja, wir haben an der „Art Basel“ sogar mit einer Modedesignerin gearbeitet, was aber nichts mit „Germans Next Top Model“ zu tun hatte oder an was man so denken könnte. Wir fühlen uns sehr verbunden mit Leuten, die an den Rändern arbeiten, ob die nun vom Film, von der Kunst oder aus der Mode kommen.

Ihr wart früher bei Sony, jetzt habt ihr „Live in Europe“ wie schon zuvor „History Sugar Dream“ beim eigenen „Qilin“-Label herausgebracht, das auch eine Plattform für befreundete Künstler sein soll. Ist die Zeit der Majors für Jazzmusiker vorbei?
Stefan Rusconi Ich weiß nicht. Es muss einfach passen, und bei uns hat’s nicht mehr gepasst. Große Labels schauen sich Musik nach einem Verkaufsargument an, und dann läuft die Maschine Major auch. Es gibt immer noch Jazz, den man so unter die Leute bringen kann. Unser Sonic-Youth -Album wurde damals in den Magazinen besprochen, die beim Friseur liegen. Das ist einfach nicht unser Publikum. Wir haben uns auseinanderbewegt bei dem, was so ein Major gut kann, mit uns aber gar nicht mehr umsetzen konnte. Am Anfang war das noch anders, da war alles noch offen. Das hätte Zukunft haben können, das haben wir dann irgendwie anders entwickeln lassen. Bei einem Till Brönner zum Beispiel, ein toller Musiker, mit dem ich auch schon gespielt habe, kann das prima funktionieren. Für uns aber sind gewisse konkrete Erwartungshaltungen inzwischen ein Horror. Wir fühlen uns sehr wohl, wo wir sind. Auch wenn die Konsequenz ist, dass alles etwas länger dauert, und die Leute dich ein bisschen suchen gehen müssen. Das ist aber auch was Schönes, das hat für uns viel mit einer Lebenshaltung zu tun, bei der wir alles an uns genommen und unter Kontrolle haben. Das färbt auch auf die Musik ab: Es ist dann etwas konsequent Eigenformuliertes.

Rusconi & Fred Frith: Live in Europe, Qilin Records;

Link für Rusconi Konzerte

Disque du mois de janvier: « Thrill Addict » de Peter Kernel

Les riffs et les tripes, l’amour et l’insolence, les beats et les claques : longtemps, Peter Kernel s’est forgé sur ses instincts primaires. Ceux qui faisaient tournoyer une Barbara Lehnoff possédée sur une basse délaissée et un Aris Bassetti sombre sur sa guitare frénétique. Une incandescence de l’instant, qui brillait surtout sur scène (voir la chronique d’un de leur passage au Point Ephémère), quand le couple réinventait la danse des sens, sur les rythmes enragés de leur batteur Ema Mathis. Frissons fugaces, donc : l’émotion s’envole, les cris restent. Avec leur troisième album, le bien nommé « Thrill Addict » (accro au frisson, en VF), Peter Kernel voit encore plus loin : l’étincelle a allumé un foyer plus stable, prêt à scintiller longtemps dans l’espace (l’un des thèmes principaux de ce disque, justement).

« Tout ira bien, on a un plan et du temps » susurre Barbara, en guise de programme sur la ballade quasi cold wave « It’s Gonna be Great ». Et le plan, c’est de canaliser ces pulsions primitives du rock abrasif. Juste un exemple : Barbara la prêtresse hurleuse (« High Fever ») peut se faire douce – et à ce moment là, sur « Supernatural Powers », c’est la batterie qui déploie toute sa charge sonore. Mais surtout, le feu sacré de la guitare d’Aris Bassetti enflamme désormais toute la palette du rock, tour à tour garage post MC 5 (« You’re Flawless »), ensorceleuse comme chez Mogwai (« Your Party Suck », « Tears don’t fall in space »), décomplexée et tribale comme chez Sonic Youth (« Majestic Faya »)… La comparaison, facile, évidente, avec leurs grands aînés s’impose, encore plus que d’habitude, car « Thrill Addict », rock trip mené tambour battant et saut qualitatif important dans leur discographie, pourrait bien être leur « Daydream Nation » : le grand référent rock des années 2010, où les guitares s’envolent, mais l’émotion reste.

Peter Kernel – Thrill Addict (On The Camper)

Barbara Lehnoff et Aris Bassetti vont défendre leur album dans une longue tournée en France et en Suisse :

23/01 La Souris Verte – Epinal
24/01 Radio Z Winter Festival – Nürnberg
27/01 Showcase DRS Virus – Zürich
28/01 Studio 2 RSI – Lugano
30/01 MJC Picaud – Cannes

12/02 Le Tétris – Le Havre
13/02 L’Astrolabe – Orléans
14/02 Le Confort Moderne – Poitiers
19/02 La Centrifugeuse – Pau
20/02 MJC John Lennon – Limoges
21/02 Le Spot – Nimes
25/02 Le Point Ephemere – Paris
26/02 Pôle Etudiant – Nantes
04/03 Le Bourg – Lausanne
05/03 La Gravière – Genève
20/03 Les Cuizines – Chelles
27/03 Bad Bonn – Düdingen

Live report, Rusconi à Paris le 11/12

Rusconi_2Grooves délirants, improvisations sans bornes et incursions pop effrénées : le Sunside a eu du mal à se remettre du passage du power trio Rusconi.

Curieux paradoxe : pour célébrer la sortie de son troisième album « Revolution » (Beejazz), qui déjoue encore plus les règles du jazz traditionnel, Rusconi se présente au Sunside, gardien d’une certain forme d’orthodoxie jazz. Voir ces trois sales gosses Suisses-Allemands prendre des libertés pop et expérimentales dans ce temple parisien policé était d’autant plus réjouissant que le public s’était déplacé en nombre, alerté par nombreuses les critiques élogieuses publiées, entres autres, dans Libération ou les Inrocks. De quoi faire saliver le malicieux Stefan Rusconi (« c’est mieux que de jouer dans une salle vide », tentera-t-il, jamais à court de blague malgré son français hésitant). Le pianiste ne laissera guère de répit à la salle. D’emblée, il attaque avec un morceau très groove qui le verra pourtant quitter vite son clavier pour farfouiller directement dans les cordes, en Thurston Moore du piano à queue, sous les yeux possédées du bassiste Fabian Gisler.

Voilà le leitmotiv de ces deux sets de 70 minutes : détourner l’instrument de sa fonction première pour libérer leur inventivité sans complexe, se muant peu à peu en power trio, plus proche du « rock instrumental » que du jazz. Sur « Change, Part 1 », Rusconi lancera des ambiances sur une guitare électrique (avec archet et bottleneck), le batteur Claudio Strüby à la basse et le bassiste… au boucle hypnotiques de piano. Une apologie de l’irrévérence qui prendra tout sens sur « Alice in the Sky » (« un mélange de Lucy in The Sky et d’Alice au pays des merveilles, avec des cuillères dans le piano », résumera Strüby, hilare), monument de jazz spatial déconstruit, sur les solos, habités et habitants, où sur l’intermède « vinyle » : un drôle d’exercice de style, où un membre du groupe fait écouter un morceau de son choix (en l’occurrence, « Wrong », de Depeche Mode »), avant que le trio improvise sur le thème. Et pour achever de défriser le public du Sunside, Rusconi concluera la soirée par un clin d’œil à son album précédent en reprenant magistralement le « Hoarfrost » de Sonic Youth. Pas étonnant que pour son prochain concert parisien, le groupe devrait se présenter dans une salle habituellement réservée à la pop, le Café de la Danse, en mars.

Plus d’infos par ici: rusconi-music.com

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