Cully Jazz festival 2016 – Switzerland gets down to bizniz (day 2)

‘Levitation’ by Tobias Preisig & Stefan Rusconi – Le Temple, Cully, 9/4/16

@J-C Arav

Tobias Preisig and Stefan Rusconi are Swiss pillars of the Cully Jazz musical institution. Their Saturday night performance at Le Temple church marked a return to sacred ground that the duo had already trodden a few years ago. This is the venue that inspired and housed their Levitation project that tonight is played out to an eager audience, most of whom are already familiar with the powerful, intimate exchange between violinist and pianist.

The key feature of the Levitation project is the sensitive, gradually drawn out soundscape created in great part by Rusconi on the church organ which is then supported and teased out by the strings. In practical terms this means having the two musicians play upstairs in the church gallery, heard but not seen from the audience down below. Deciding that this year’s jazz audience needed something to look at, the entire concert was projected on screen at ground level, which, ironically – because of the very bright projector light that was aimed right at the audience – meant that many of us listened with eyes tightly shut, (it was a bit like staring at the solar eclipse without eye protection). Possibly the best way to appreciate the moody, almost Gothic sounds raining down from above.

Some questions and answers with violinist Tobias Preisig:
What’s your relationship to the Cully Jazz festival?

Tobias Preisig: I have a special attachment to Cully Jazz. I’ve been playing here for the last 6 years, I started off in a small caveau as part of the ‘OFF’ programme, then they offered me residency, then larger stages as part of the main programme. There’s a extremely open-minded attitude here and strong commitment to push the next generation. Young and unestablished musicians find a stage here, right next to the superstars. Playing at Cully is definitely the highlight of the year for me. It’s become almost a family gathering with musical professionalism.

Was the material for ‘Levitation’ tailor-made for Cully?

Tobias Preisig: We played as a duo here at Le Temple in Cully a few years ago, performing for the first time with the church organ. Again, it was an opportunity that the festival gave to us. We fell in love with the sound and came back one summer to record at Le Temple for 5 nights. This music is now released as an LP called ‘Levitation’ and yes, it’s definetely tailor-made. So what’s nicer than to celebrate a recording that was actually made in this enviroment?!

Will there be more live gigs with the ‘Levitation’ project?

Tobias Preisig: This is a special side project for both Rusconi and I whose friendship and collaborations go back a long time. So far we’ve only played the material from Levitation live twice! There are a lot of underplayed organs and oversized churches, so we are looking forward to exploring them and awakening them with new music.

Preisig & Rusconi Levitation bandcamp

 

 

Rusconi und Fred Frith: Im Spieltrieb vereint

Pianist Stefan Rusconi über die Entwicklung seines Trios und das neue Live-Album mit Fred Frith

Rusconi and Fred Frith_2

Mit Rusconi, seinem Trio mit dem Bassisten Fabian Gisler und dem Schlagzeuger Claudio Strüby, reiht sich der Zürcher Pianist Stefan Rusconi seit bald 15 Jahren in die Riege der Erneuerer des klassischen Klaviertrios im Jazz ein. „Garagen-Jazz“ nannten Kritiker ihren charakteristischen, sehr zugänglichen und bis 2012 bei Sony erscheinenden Mix aus Jazz, Rock und Pop, der Einflüsse aus der elektronischen Musik bis hin zum Noise-Rock einer Band wie Sonic Youth – deren Kompositionen sie 2010 auf dem Album „It’s A Sonic Life“ interpretierten – verarbeitet. Nun ist beim eigenen „Qilin“-Label das Album „Live in Europe“ erschienen, das die gemeinsame Tour mit dem amerikanischen Avantgarde-Gitarristen Fred Frith dokumentiert.

Wie habt ihr und Fred Frith euch gefunden?
Stefan Rusconi Wenn man seit ein paar Jahren unterwegs ist, denkt man über Gäste nach. Wir haben uns zuletzt immer wieder mal mit verschiedenen Leuten getroffen und sie zum Mitspielen eingeladen. Bei manchen hat es wider Erwarten nicht gepasst, bei anderen sehr gut. Ich glaube, es geht natürlich um Geschmack und eine ähnliche ästhetische Ausrichtung, aber auch sehr viel um Haltung. Was will ich in der Musik oder sogar im Leben? Was ist es, das mich da fasziniert, was ich leben möchte?

Da seid ihr euch mit Fred Frith ebenso einig wie in der Liebe zu extravaganten Sounds?
Stefan Rusconi Ja, da decken wir uns mit ihm exakt. Nicht im Musikalischen, die Musik seiner Bands ist ganz anderes als unsere, und das hat ihn ebenso gereizt wie uns. Aber die Grundeinstellung, auf der Bühne in einem definierten Kontext Dinge zu wagen und so anzuspielen, dass sie scheitern könnten, aber dann doch die Kurve kriegen, dieses Spielerische, das teilen wir. Wir kennen ihn inzwischen besser, er ist öfter bei Fabian in Basel zu Besuch, weil er ja in Basel unterrichtet. Wir spielen dann alle mit Fabians drei Kindern.

Einfach einmal geklingelt

Ihr habt ihn also einfach gefragt, ob er mitmachen will?
Stefan Rusconi  Naja, es war auch ein bisschen Zufall. Wir waren für unsere „Revolution“-Platte in dem Haus, in dem wir immer aufnehmen. Wir bauen uns da immer selbst ein Studio zusammen und nehmen uns selber auf, ganz ohne diesen Strukturdruck, dass Techniker da sind, die gerne nach Hause möchten. Nur aufnehmen, das ist echt einfach. Wir haben einen Techniker, der richtet uns alles ein, und dann darf er wieder gehen. Das ist für den und für uns schön. In dieser Atmosphäre kam uns dann bei einem Track, bei „Alice In The Sky“, die Idee, dass da der Sound von Fred Frith perfekt passen könnte. Und er arbeitete quasi nebenan. Wir haben geklingelt, ihn gefragt, und er war sofort dabei.

So einfach geht das manchmal.
Stefan Rusconi Ja, und das ist schon sehr schön, denn zu der Zeit hatten wir noch einen Manager. Und es lief bei solchen Features normalerweise so, dass der Manager einer Agentur oder irgendeinem Assistenten eine Mail schreibt, und dann die Anfrage hin und her geht. Das ist oft ein bisschen verkrampft und komisch. So hieß es halt: Ja klar, lasst uns ein bisschen spielen gehen, in den Keller runter. So ist das Ganze dann entstanden.

Das war dann direkt vor den Konzerten, bei denen das Album entstanden ist?
Rusconi and Fred Frith_1Stefan Rusconi Nein, wir hatten etwa ein Jahr Pause dazwischen. In der hat Fabian immer mehr Gitarre gespielt, weil wir durch Fred gemerkt hatten, wie sehr wir diesen Sound gebrauchen können. Da kamen wir auf die Idee, mit ihm ein paar Konzerte zu spielen. Es hat sich also ganz natürlich ergeben, war kein Festivalprojekt – was auch toll sein kann -, und war deshalb total entspannt.

Ihr tourt jetzt aber gar nicht mit Fred?
Stefan Rusconi Nein, im Moment spielen wir ohne ihn. Ich weiß, das ist jetzt nicht im Sinne eines klassischen Marketings. Aber wir hatten viele Gastfeatures zuletzt, und es ist jetzt schön, mal wieder auf einer Tour zu sein, wo wir mal wieder den ganzen Abend nur für uns haben (lacht).

 „Die Schweiz ist so klein“

Du hast in Zürich studiert, Fabian in Basel und Claudio aus Luzern. Wie habt ihr euch denn gefunden, damals vor bald 15 Jahren?
Stefan Rusconi Die Schweiz ist so klein. Da ist dann halt die eine Jam Session in Bern, die nächste in Luzern, da bist du eine Stunde unterwegs. In Berlin, wo ich seit einiger Zeit wohne, brauche ich die fast, nur um in den Übungsraum zu kommen.

Kann man sagen, dass die klaren Strukturen, das Rhythmische und das Hymnische eurer alten Alben jetzt in einen starken Kontrast zu Noise- und freien Improvisationsphasen treten? Dass also eure Ästhetik offener ist als früher?
Stefan Rusconi  Ja, das Gefühl habe ich auch. Das hat sich aber schon mit dem „History Sugar Dream“-Album und in den vergangenen zwei Tour-Jahren so entwickelt. Die Funktion von Fred kann auch immer jemand von uns übernehmen. Ich spiele dann halt mehr Synthi-Bass und Fabian Gitarre. Wir haben dann freilich immer noch den Kontext einer quasi konventionellen Band; bei Fred konnten wir wieder auf unsere Ur-Instrumente zurückkommen, gleichzeitig ergab sich sehr viel Raum, eine Spielwiese zum Ausprobieren. Die Stücke sind verschachtelter. Das ist, wo wir jetzt stehen, denke ich.

Esbjörn Svensson hat von seinem Trio mal gesagt: „Wir sind eine Rock-Band, die Jazz spielt“. Trifft das auch für euch zu?
Stefan Rusconi Das würde ich nicht sagen. Der Claudio etwa spielt schon ein sehr distiguiertes Jazz-Schlagzeug. Esbjörn Svensson war so zehn Jahre vor uns, aber wir haben das schon mitbekommen: Es war damals richtig, sich ein bisschen zu distanzieren, zu sagen: Wir sind eine neue Generation, wir schauen auf die Geschichte ein bisschen anders, wir haben andere Höreinflüsse. Aber trotzdem: Für uns bleibt Jazz immer ein wichtiger Bezugspunkt. Es gibt halt viele Schnittstellen, auch bei der Film- und Theatermusik, die ich schreibe. Auch für Claudio und Fabian, wir loten unsere eigene Welt aus, eine sehr bildhafte.

„Wir fühlen uns Leuten verbunden, die an den Rändern arbeiten“

Dazu passen die Licht- und Videobegleitung eurer Konzerte. Ihr denkt Musik wohl sehr interdisziplinär?
Stefan Rusconi Ja, wir haben an der „Art Basel“ sogar mit einer Modedesignerin gearbeitet, was aber nichts mit „Germans Next Top Model“ zu tun hatte oder an was man so denken könnte. Wir fühlen uns sehr verbunden mit Leuten, die an den Rändern arbeiten, ob die nun vom Film, von der Kunst oder aus der Mode kommen.

Ihr wart früher bei Sony, jetzt habt ihr „Live in Europe“ wie schon zuvor „History Sugar Dream“ beim eigenen „Qilin“-Label herausgebracht, das auch eine Plattform für befreundete Künstler sein soll. Ist die Zeit der Majors für Jazzmusiker vorbei?
Stefan Rusconi Ich weiß nicht. Es muss einfach passen, und bei uns hat’s nicht mehr gepasst. Große Labels schauen sich Musik nach einem Verkaufsargument an, und dann läuft die Maschine Major auch. Es gibt immer noch Jazz, den man so unter die Leute bringen kann. Unser Sonic-Youth -Album wurde damals in den Magazinen besprochen, die beim Friseur liegen. Das ist einfach nicht unser Publikum. Wir haben uns auseinanderbewegt bei dem, was so ein Major gut kann, mit uns aber gar nicht mehr umsetzen konnte. Am Anfang war das noch anders, da war alles noch offen. Das hätte Zukunft haben können, das haben wir dann irgendwie anders entwickeln lassen. Bei einem Till Brönner zum Beispiel, ein toller Musiker, mit dem ich auch schon gespielt habe, kann das prima funktionieren. Für uns aber sind gewisse konkrete Erwartungshaltungen inzwischen ein Horror. Wir fühlen uns sehr wohl, wo wir sind. Auch wenn die Konsequenz ist, dass alles etwas länger dauert, und die Leute dich ein bisschen suchen gehen müssen. Das ist aber auch was Schönes, das hat für uns viel mit einer Lebenshaltung zu tun, bei der wir alles an uns genommen und unter Kontrolle haben. Das färbt auch auf die Musik ab: Es ist dann etwas konsequent Eigenformuliertes.

Rusconi & Fred Frith: Live in Europe, Qilin Records;

Link für Rusconi Konzerte

“Are we selling candles or are we selling light?”

When I reviewed the Schaffhausen Jazz Festival, questions emerged – is Rusconi‘s new album, jazz? What should jazz be in 2014? Gerry Godley of the Improvised Music Company and 12 Points festival worked with cartoonist Patrick Sanders on a presentation that made some vital points for the industry. I particularly liked the analogy – are we selling candles or are we selling light? Put crudely if we carry on focusing on traditional forms of jazz we may go out of business.

© Patrick Sanders Let's be more open to innovation, especially as jazz has become  more porous and collaborative ©Patrick Sanders

© Patrick Sanders
Let’s be more open to innovation, especially as jazz has become more porous and collaborative ©Patrick Sanders

Godley referred to America’s major arts survey of 2012 and although I don’t see Europe in the same grip of the “heritage” of jazz, it’s probably a similar picture here: audience numbers are declining and they are growing older (as I saw at Schaffhausen and see in London). As Terry Teachout of the Wall Street Journal wrote, “Jazz musicians who want to keep their own…beautiful music alive…have got to start thinking hard about how to pitch it to young listeners.”

“What is jazz about & who is it for? – grows unclear.” Phil Johnson

To be frank, jazz has lost its hipness. Young urban ‘gunslingers’ are more likely to listen to new folk or the myriad forms of electronica. Last year journalist Phil Johnson wrote in the The Independent, “The essential narrative and context – what is jazz about and who is it for? – grows unclear. An increasing lack of visibility in the mainstream media contributes to a growing credibility gap…” This is an issue; print and radio (let’s not even go there with TV) influence tastes and with diminishing support it’s difficult for promotors to take risks. The respected critic, John Fordham commented on the lack of press coverage for jazz in 2010, “…the most routine performances by an orchestra, or the most mundane gigs by fading pop stars will usually grab the space from innovative jazz artists who may well be shaping the future of music…”

 

©Patrick Sanders

©Patrick Sanders

 

Godley also addressed the “J” word and whether it’s doing music a dis-service. I don’t feel overarching terms such as jazz, classical or rock are relevant in the age of the internet. My favourite phrase is ‘music for curious ears’ and London’s Cafe Oto bills itself as a venue for “creative new music”. Phil Johnson suggests Oto could be a good model for other European clubs as it’s found success by, “building an audience from the bottom up through artist-run co-ops and club-nights.” They are managing to attract a mix of ages, at least.

BBC Radio 3 (plays classical music and some jazz) is rightly obsessed with the phrase “replenishing audiences” as their core listeners age. Attracting new audiences requires new marketing tones. Rusconi have been so successful at building an online rapport with their fans that they won the voted-for ECHO Jazz Award for Best Live Act 2012. But the music itself needs to be relevant.

Build on traditions, but break the rules

Some promotors I spoke to felt Rusconi were being gimmicky – maybe they haven’t quite hit the right spot (as they did with Alice in the Sky) but I’m more engaged by them than I am by clever musicians desperately trying to re-create a time that has gone. Build on traditions, but break the rules, or at least put in your own life, your emotion. My musical axis has been informed by being a DJ where it’s all about the new, and I’ve always admired pioneers who faced enormous criticism but changed things up; as much as I adore Miles Davis’ Kind of Blue I’m glad he heard Hendrix and got re-inspired.

A band who is getting the balance right is Hildegard Lernt Fliegen. They played a triumphant set at Moods a few weeks ago. The music builds on traditional jazz and improvisation and yet is modern. They’ve got a strong look going on and their video for the track Don Clemenza  is perfectly pitched. OK, not everyone has to (or can) wear a breadstick on their head, but what brings it all together is that it feels utterly genuine, it’s ‘authentic’. And that’s the word Godley finished his talk with and it’s an important one.

Labels like ECM are “borders-blind”

What I’d like to see is European countries co-operating at supporting talent from a wide spectrum of ‘jazz’ and from regions beyond their own. Labels like ECM are “borders-blind”, venues could be better at this too. I believe: “If it ain’t broke, change it!” Or it dies. Keep jazz relevant, think about new ways to package it and consider who we want to promote it to. There are audiences out there who are missing out on heart-pounding, incredible music.

 

©Patrick Sanders

©Patrick Sanders

 

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