Ein heisser Abend mit Me, Valentin & You

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Bereits durch die schweren, sperrigen Vorhänge hört man, dass im Innern vom Eldorado mehr los ist als auf der menschenleeren Strasse an diesem Sonntagabend. Kaum drinnen zieht mich sogleich eine markante Stimme in den Bann. Auf der Bühne steht die Berner Band Me, Valentin & You – das Konzert hat bereits begonnen. Die Menschen in der vollen Bar in Zürich bewegen sich kaum, was vermutlich an der Hitze liegt – oder am fiesen Kater vom Vorabend. Zumindest auf mich wirkt das abwechslungsreiche Set belebend.

MVY_eldorado_2014Anfänge als Strassenmusiker

Frontmann Valentin Kugler war auf den Strassen von Bern als Solomusiker unterwegs, als er dort auf seine zukünftigen Bandmitglieder traf. So hat man manchmal das Gefühl, dass die Songs durchaus auch ohne Band funktionieren könnten. Allerdings würden dann die Dynamik und Spannung fehlen, welche das perfekte Zusammenspiel der vier Musiker erzeugt. Die Stimme von Kugler wird dadurch in den richtigen Momenten hervorgehoben – eine Stimme, die live kantiger und echter rüberkommt als auf den Aufnahmen.

Nie hoffnungslos

Als der Song «Heading Home» angestimmt wird, komme ich nicht umhin, an das phänomenale «Spanish Sahara» der britischen Band Foals erinnert zu werden. Die atmosphärischen Klänge werden von Kuglers eindringlichen Stimme in einen Refrain geführt, der Licht in die recht düstere Klangwelt bringt. Überhaupt versinken die Lieder nie in übermässigem Schwermut: Ein wenig Hoffnung schimmert stets durch.

 

Album «If» für das deutsche Publikum

Nächste Woche macht sich Me, Valentin & You auf, auch die Indie-Herzen in Deutschland zu erobern. Das Album «If» wird dort am 10. Oktober 2014 veröffentlicht. Begleitet wird das Album-Release von einer kleinen Deutschland-Tour, welche die Berner Band in sieben deutsche Städte bringt. Idealerweise kommt man pünktlich zum Konzertbeginn; über meine Verspätung habe ich mich nach dem schönen Konzert im Eldorado arg geärgert.

Daten der Deutschland-Tour:
09.10.14   Haldern Pop Bar, Haldern
10.10.14   Auster-Club
, Berlin
11.10.14   Milla – Live Club
, München
13.10.14   Live Club, Bamberg
14.10.14   Blue Shell
, Köln
15.10.14   Prinzenbar
, Hamburg
16.10.14   Ponyhof
, Frankfurt

Das Album «If» (Oh, Homesick) ist in der Schweiz seit dem 28. März 2014 erhältlich.

Dim Grimm / Dimlite & Mir an der Bad Bonn Kilbi

3110_Dim Grimm_1Vor vier Jahren wars, als der kalifornische Super-Produzent The Gaslamp Killer anlässlich des unfassbar verpeilten Konzerts von Gonjasufi im Bad Bonn in Düdingen einen Track des Berners Dimitri Grimm alias Dimlite einspielte – und diesem lokalen Helden so seine Reverenz erwies.

Dimlite versus Balt Mirczok versus Mitsel Quitno

Die Szene war symptomatisch für diesen Künstler, der im Ausland viel bekannter als in seiner Heimat ist. Denn ja, man wusste vom mittlerweile 33-Jährigen, doch blieb er immer im zuweilen auch selbst gewählten Schatten – auch dank weiteren Pseudonymen wie Balt Mirczok oder Mitsel Quitno.

Dabei veröffentlicht Dimitri Grimm seine letzte Platte als Dimlite namens «Grimm Reality» auf Now Again, einem Sub-Label des Vorzeige-Hip-Hop-Hauses Stones Throw, wo seine unglaublich facettenreiche Musik, die zwischen psychedelischen Soundforschungen und verquer produzierten Beats hin und her schlenkert, bestens aufgehoben ist.

Nach seinem Bad Bonn Kilbi-Auftritt im Jahr 2012 kehrt Dim Grimm nun ans Festival zurück – mit einem seiner seltenen Sets, die er hierzulande spielt. Weil: Im Ausland ist dieser Ausnahme-Produzent immer noch weit bekannter.

Shock Your Moneymaker

mirDirekt vor Grimm spielt am Schlussabend der diesjährigen Bad Bonn Kilbi die Basler Lärmformation Mir auf, die im Frühling 2013 ihr live eingespieltes Manifest «Shock Your Moneymaker» auf dem Label A Tree In A Field (u.a. Combineharvester & Fai Baba) veröffentlichten.

Perkussionsgewitter, fiepende Analog-Synthesizer, mächtige Bässe, viel Experiment und viel Lust, kurz: hier ist alles da, was das Noise-Herz begehrt.

Die Bad Bonn Kilbi findet vom 29. bis 31. Mai statt. Infos: wwww.kilbi.badbonn.ch

Puts Marie: «Laut, vulgär und skurril sind unsere Konzerte immer noch»

©joelle Neuenschwander

©joelle Neuenschwander

Max Usata, Sänger der Bieler Band Puts Marie, wanderte 2009 kurzentschlossen nach New York aus. Niemand wusste, was aus Puts Marie wird. Und so suchte man neue Perspektiven. Es entstanden sechs Kinder, ein Gitarrenladen, ja sogar eine Broadway-Karriere. Neue musikalische Projekte wurden in Angriff genommen. Die Ankündigung Ende letzten Jahres, dass Puts Marie ihre EP «Masoch» beim Lausanner Label Two Gentlemen veröffentlichen, kam dann auch unerwartet.

Nun sind sie zurück auf der Bühne: Reifer und mit frischen Songs, die eine neue, ernsthaftere Note einschlagen, ohne dabei auf die Energie ihrer früheren Auftritte zu verzichten. Max Usata erzählt uns von den Veränderungen und den Plänen von Puts Marie.

In einem Interview habt ihr gesagt, dass ihr euch während der Auszeit viel musikalisches Know-how angeeignet habt. So konntet ihr bei der Aufnahme von «Masoch» eine andere Qualität in eure Musik einbringen. Inwiefern beeinflusste dies das Songwriting?

Max Usata: Wir redeten damals von zwei verschiedenen Dingen. Einerseits haben wir das technische Know-how gemeint: Unser Gitarrist Sirup hat sich als Sound Engineer immer mehr Wissen angeeignet, indem er sein Tonstudio immer mehr ausbaute und immer mehr Studio-Aufträge an Land zog. Das hatte einen starken Einfluss auf die Soundqualität. Zudem hatten wir das Glück, Leute wie Jeff Stuart Saltzmann und Dave McNair an Bord holen zu können In der Postproduktion hatten beide einen starken Einfluss auf den Sound von «Masoch», auch wenn die Aufnahmen von Sirup schon sehr gut waren.

Anderseits ist die Band über die Jahre durch Tüfteln und durch viel Spielpraxis immer wieder auf neuen Sound gestossen, vor allem was den des Basses, der Gitarre und der Orgel angeht. Das hört man nun auf der neuen Platte. Sicherlich wurde dabei auch das Songwriting beeinflusst. Die Lieder haben viele Instrumental-Parts, was aus dem neuen Sound hervorgeht.

©Jenna Calderari

©Jenna Calderari

Sind die klanglichen Veränderungen in eurer Musik ein Resultat des abrupten Bruchs im Jahr 2009? Wird das Thema in euren aktuellen Songs überhaupt angesprochen?

Max Usata: Nicht direkt, nein. Eher indirekt. Dass sich jeder danach umorientierte und andere musikalische Projekte verfolgte, hatte am Ende wohl am meisten Einfluss, denke ich. Wir und alle um uns herum wurden älter und reifer, was sich auch in einer grösseren Offenheit gegenüber Neuem, Unsicherem und allem, was vor uns liegt, zeigt.

Ihr beschreibt eure neuen Songs als schwerer, ernsthafter, egoistischer. Es ist nicht mehr das oberste Ziel, die Leute zum Tanzen zu bringen oder Party zu machen. Hat das die Art, wie ihr auf der Bühne Musik macht, verändert?

Max Usata: Das ist schwer zu sagen. Es macht ja immer noch unglaublich viel Spass, auf der Bühne Musik zu machen. Was heisst schon Party machen? Ja, vielleicht ist es schwieriger zu den neuen Songs zu tanzen. Laut, vulgär und skurril sind unsere Konzerte aber nach wie vor. Das klingt für mich eher nach Party als bloss wildes Getanze.

Ihr seid in den letzten Jahren sesshafter geworden. Wie sehen eure Pläne aus? Zieht es euch ins Ausland?

Max Usata: Ins Ausland? Ja, bitte! Unbedingt! Das wird nur eine Frage von guter Organisation sein. In der Vergangenheit haben wir sehr oft im Ausland gespielt und uns liegt viel daran, dies auch weiterhin zu tun. Puts Marie gehört ins Ausland. Sowohl was die Musik als auch die Einflüsse anbelangt, fühlen wir uns dort zu Hause. Wir haben viele Freunde ausserhalb der Schweiz und wollen auch für sie spielen. Es gibt dort andere Bühnen, andere Stimmungen und andere Situationen, die wir mit vielen guten Erinnerungen verbinden. Und nach Japan wollen wir auch!

Die EP «Masoch» ist am 10. Dezember 2013 bei Two Gentlemen erschienen. Am 29. Mai 2014 treten sie an der Bad Bonn Kilbi auf.

Und noch: Neuchâtel, Festi’Neuch am 13. Juni. Zurich, Wipkingen Openair am 20.Juni. Pully, For Noise Festival am 23. August. Orprund, PFF, am 29. August. Tavannes, am Le Royal am 7. November

 

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