Great Black Waters: «Glow, Sand & Other Songs»

Björn_Coverfoto_Quer_mediumVerwackelte Bilder eines mehrspurigen Highways, aufgenommen auf dem Armaturenbrett eines Autos, das Meile um Meile der untergehenden Sonne entgegenfährt: Das simple Video zu «Sand» könnte die Verbildlichung des ganzen Albums von Great Black Waters sein. «Glow, Sand & Other Songs» fühlt sich an wie eine ziellose Reise unter einem psychedelisch glühenden Himmel – mit den Haaren im warmen Fahrtwind, mit den Gedanken frei.

Dezent verpackt

Irgendwo zwischen den ekstatischen Gitarrenriffs und den erdigen Drums, Akustik- und Bassgitarren schwebt die Stimme von Great Black Waters gleichmässig und teilweise fast schon flüchtig in das Klanggeschehen hinein. Wo andere Musiker versuchen, in der Tiefe verborgene Gefühle bisweilen plump nach aussen zu tragen, verleiht Björn Magnusson, der hinter dem Pseudonym steckt, den Songs mit dezent verpackten Worten Struktur. Seine zurückhaltende Art ist eine erfrischende Abwechslung zur sonst so beliebten Zelebrierung gekünstelter In-Your-Face-Attitüden.

Brachial und fesselnd

An der Plattentaufe im Helsinki in Zürich blieb Magnusson unverkrampft wortkarg und spielte mit seinen vier Mitmusikern (u.a. Fai Baba) auf der kleinen Bühne ein mächtiges Set; mächtig, weil die verzerrten Gitarrenklänge sich wie eine massive Klangwand vor einem aufbauten. Wo auf dem Album hier und da eine besonnene Leichtigkeit mitschwingt, war der Auftritt grösstenteils geprägt von brachialer, fesselnder Rohheit. Man fand sich manchmal in einer grossartigen Jam-Session wieder.

Great-Black-Waters-©-by-Danny-Hole_Quer1In den diffusen Melodien von «Glow, Sand & Other Songs» verliert man sich schnell und gerne. Mit trockenem Sand in den Haaren blickt man in den rot-blau glühenden psychedelischen Himmel und weiss für einmal die Schönheit des Ungewissen zu schätzen.

«Glow, Sand & Other Songs» erschien am 6. Februar 2015. Great Black Waters spielt am 28. Februar zusammen mit Fai Baba im Albani in Winterthur.

Ephrem Lüchinger: «Are You Prepared?»

are you prepared

Vor sieben Jahren ging der Pianist Ephrem Lüchinger für zwei Tage ins Studio, improvisierte und experimentierte alleine mit seinem Instrument, das der Zürcher mit allerlei Gegenständen präparierte. Das Material, das in diesen Tagen entstanden ist – zeitweise in Begleitung des Posaunisten Michael Flury – jagte Lüchinger später durch den Laptop, verfremdete und arrangierte die Klaviersounds neu und setzte sie zu 34 Stücken zusammen, die nun, auf der CD-Trilogie «Are You Prepared?» zu hören sind.

Ephrem Lüchinger – Are you prepared from ephrem lüchinger on Vimeo.

Entstanden ist eine reichhaltige Sammlung an neugierigen Klängen, die wahlweise technoid schimmern, romantisch schillern und auch popnah dahinschlendern können. Soundclips, Tracks und auch Songs sind auf «Are You Prepared?» zu hören – und die Trilogie entpuppt sich mit dieser Formenvielfalt auch als Suche nach den sonischen Grenzen des Klaviers, eine Suche, die allerdings scheitert. Denn Lüchinger, der in zahllosen Bands seine Spuren hinterlassen hat, entdeckt in seinem Instrument zuweilen Sounds, die man auch beim dritten Hördurchgang nicht mit einem Klavier in Verbindung bringt. So ist «Are You Prepared?» eine überaus lohnenswerte Reise in den Saitenkasten eines Instruments der unbegrenzten Möglichkeiten. Möglichkeiten, die Ephrem Lüchinger verspielt und doch konzentriert auslotet.

Ephrem Lüchinger, “Are You Prepared?” (Dist CH Irascible)

 

Monoski: «Pool Party»

Monoski (Photo: Mehdi Benkler)

Nichts auf der Welt scheint einfacher zu sein, als lauten, primitiven Garage-Rock zu fabrizieren. Eine schön verzerrte Gitarre und ein minimal gespieltes Schlagzeug reichen scheinbar, um dem Rock’n’Roll in seiner essentiellen, weil dreckigen und lärmigen Form zu huldigen. Doch natürlich: das Einfache ist immer schwieriger zu bewerkstelligen als man annimmt, und so gibt es denn gar nicht so viele Duos, die in der Lage sind, aus dem Minimum das Maximum zu zaubern.

Monoski aus Fribourg gehören zu diesen Duos, die solches schaffen. Auf ihrem zweiten Album «Pool Party», erschienen auf dem Lausanner Label Vitesse Records, spielen Lionel Gaillard an der Gitarre und Floriane Gasser, die früher Violinistin war, am Schlagzeug eine wunderbar lärmige und sperrige Rockform. Getroffen haben sich die beiden im Jahr 2008 in New York City, doch weniger der Grossstadtdschungel als vielmehr die kalifornischen Wüstenlandschaften ist das Zuhause ihrer Musik.

Auf «Pool Party» brettern die beiden aber nicht einfach besinnungslos durch eine unwirtliche, psychedelisch schillernde Blues-Rock-Landschaft, sondern begeistern durch ein fein getimtes und dynamisches laut-und-leise-Spiel. Und man merkt dank dieser Platte wieder einmal, dass es nicht viel schwierigeres gibt, als lauten, primitiven und begeisternden Rock’n’Roll zu fabrizieren. Ein Rock’n’Roll, der ganz am Ende von «Pool Party» teuflische Züge annimmt. So soll es sein.

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