Bonaparte – Ein Alleinunterhalter mit Big-Band erobert die Welt!

©MelissaHostetler

Weit haben sie bzw. er es gebracht. Unter den Bandnamen Bonaparte bespielen sie bzw. er mittlerweile fast schon rund um den Globus einschlägige Spielstätten, deren Bühnen groß genug sind, Bonaparte samt Entourage zu beherbergen.

 Swissvibes.org bat den Schweizer Tobias Jundt, Kopf des Ensembles, um die Beantwortung einiger Fragen. Bonaparte sind optisch als auch musikalisch irgendwo in der Tradition zwischen Sigue Sigue Sputnik und Gwar zu verordnen, Jundt wiederum ist der Mastermind der Band und hat nach eigenen Angaben ein Faible fürs Diktatorische. Ist es doch Jundt, der mittlerweile zum Wahl-Berliner konvertierte und sich offenbar als „Líder Máximo von Bonaparte einer Neu-Interpretation des Begriffs „Kreativ-Direktor“ verschrieben hat.

 Von Oktober bis Dezember 2012 touren Bonaparte mit dem neuen Album „Sorry, We’re Open“ quer durch Europa und dies sogar obwohl in manchen Ländern ihr Album noch nicht einmal erschienen ist.

 Was oder wer verschaffte bzw. verschafft dir Inspiration für Bonaparte?
bonaparte: grüezi! der bonaparte steckte schon immer in mir drin und ich schaffe mir damit einen spielplatz, um diese energie zu kanalisieren, so wie auch die tänzer dann wiederum auf diesem soundteppich sich ausleben können. freier ausdruck und energieaustausch, also dinge, die im moment passieren, sind wichtig. aber um diese zu ermöglichen braucht es auch einen entsprechenden rahmen.


Gibt es etwas typisch schweizerisches, was oder welches du im Berliner Exil vermisst?

bonaparte: naja, wir sind ja eigentlich immer unterwegs. das schöne an berlin ist die hohe ansammlung an anderen produzenten, musikern, djs, fotografen, filmemachern und puppenspielern. natürlich vermisse ich dinge, die unersetzlich sind: die frische briese, welche von den alpen herüber weht, das kilo greyerzerkäse auf meinem frühstückstisch und natürlich die mundart. dialekt zu sprechen, ist etwas sehr heimatliches. wir haben uns aber auch angewöhnt, dass unsere ganze crew schweizerdeutsch sprechen muss, obwohl da in wahrheit nur zwei schweizer dabei sind. die sprechen mittlerweile aber alle recht perfekt schweizerdeutsch – nur die amerkianischen tänzerinnen wehren sich erfolgreich gegen die verschweizerifizierung der welt durch die geheimsonde bonaparte.


Wie viel Tobias Jundt steckt in Bonaparte und wie viel macht der Kollektivismus an Bonaparte aus?

bonaparte: bonaparte ist im kern ja ein solo-projekt von mir, welches aber gleichzeitig ein kollektiv und noch gleichzeitiger auch ein wanderzirkus ist. wer hier mit wem und wem noch nicht – das könnte uns kein dreigroschenroman erklären. also ob ich alleine mit meinem hasen spiele oder die ganze bonaparte-familie mit dabei ist, es ist immer noch bonaparte. im kern stehen die songs, welche uns für die live-shows den teppich weben. wenn wir früher sagten, wir seien ein demokratisches kollektiv, geführt von einem verrückten diktator, dann ist das nicht weit von der warheit entfernt.


Kannst du von Bonaparte leben und wenn ja, wie schwierig ist es darüber hinaus, ein größeres Kollektiv wie Bonaparte zu finanzieren?
bonaparte: das ist eine relativ komplexe frage. zum einen ist die frage, ob wir überhaupt wollen, dass wir nur davon leben können. für mich ist es natürlich eine 300% angelegenheit, das muss auch irgendwie gehen, aber die meisten von uns spielen bewusst noch in anderen bands oder haben ihre eigenen projekte am laufen. eine menschengruppe dieser größe durch die landschaft zu senden, ist ja sowieso ein eher verrücktes unterfangen. die big bands sind ja alle in der ersten hälfte des letzten jahrhunderts ausgestorben. aber der soziale aspekt des tourens, den ein DJ nicht mehr wirklich hat, wenn er alleine in der senator lounge am flughafen rumhängt, der gibt bonaparte eine schöne eigenheit. während ich dies tippe, sind wir gerade in polen unterwegs, und in der ferne ist es ganz schön, eine gruppe von gleichgesinnten zu sein.


Bonaparte wird ab Ende Oktober auf Europa-Tour gehen. Mit was für einer Formation werdet ihr antreten und kannst du bereits was über die Bühnenshow sagen?

bonaparte: wir werden ca. 20 menschen sein. als support act haben wir Tim Fite aus brooklyn eingeladen, ein sehr begnadeter künstler, der zu seinen visuals einen verdrehten singer-songwriter-hiphop darbietet. danach wird das schiffshorn der H.M.S. BONAPARTE erklingen und dann winken wir ein letztes mal an der rehling stehend und legen ab. die reise führt kreuz und queer durch die songs der letzten drei alben. zwischendurch gibt es der tradition entsprechend werbepause und ein paar körperliche aktivitäten, um sich vom tanzen zu erholen und gleichzeitig für die zweite hälfte des wilden rittes die muskeln zu stählern. wir werden natürlich wieder nicht wissen, welche songs wir nicht spielen sollen und entsprechend alle spielen wollen. und natürlich darf der bonaparte bazar nicht fehlen, mit neuen bekleidungsmöglichkeiten für den winter und farbigem vinyl. wir machen bereits fleißig kniebeugen.

 Für die letzten beiden Alben von Bonaparte wirst du jeweils als Produzent angeführt. Könntest du dir vorstellen, auch mal mit einem anderen Produzenten zu arbeiten und wenn ja, gibt es vielleicht auch einen Produzenten mit dem du immer mal schon was machen wolltest?

bonaparte: ich schreibe und produziere alle bonaparte alben, sonst wäre es nicht bonaparte. ich habe aber tatsächlich in erwägung gezogen nach beenden der berlin trilogie, nun mit einem anderen produzenten eine co-produktion zu machen. die reise wird weitergehen und die zelte habe ich bereits verschifft. wie das klingt und wer die namen sind, die da mitwursteln, das erfahrt ihr dann in der nächsten folge, wenn es wieder heißt: “das paralleluniversum der familie bonaparte – zwei liter schweiss und die geheimen teufelsquinte.”

adieu!

Bonaparte, “Sorry We Are Open”

On tour from the 25th of October In Germany, Austria, Switzerland, France

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Elina Duni, eine Heimat so nah und doch so fern

Das neue Album “Matanë Malit” (ECM/Harmonia Mundi) der schweiz/albanischen Musikerin und Sängerin Elina Duni ist eine Hommage an die albanische Poesie und deren Lieder. Sie nimmt uns dabei mit auf eine wunderschöne Reise in ein fernes Land, dessen Klänge uns wehmütig stimmen und ergreiffen vom ersten bis zum letzten Ton.

Im Gegensatz zu deinen früheren Alben “Baresha” und “Lume Lume”, singst du auf “Matanë Malit” ausschliesslich albanisch. was bedeutet es für dich, als Sängerin, die davor vorwiegend englische Texte interpretiert hat, in deiner Muttersprache zu singen?

Eina Duni Albanisch zu singen ist für mich sehr speziell und auch sehr interessant. Bis ich 10 Jahre alt war habe ich in Albanien gelebt, danach bin ich in die Schweiz ausgewandert, wo ich lange Zeit in Genf wohnte. Ich bin also zum einen mit der albanischen Tradition, wie zum anderen mit der westlichen Musiktradition, dem Jazz, der Klassischen Musik usw. aufgewachsen. Das führte auch oft dazu, dass ich noch nicht genau wusste, wo mein Platz ist. Dies änderte sich aber, als ich begann diese beiden Welten zusammenzuführen, in dem ich die albanischen Texte mit meinen musikalischen Einflüssen kombinierte. Aufeinmal fühlte sich alles viel klarer an. Eine Erfahrung, die mich in meinem musikalischen Schaffen sehr bereichert hat, auch wenn ich mich in Zukunft nicht nur auf mein albanisch beschränken möchte.

“Matanë Malit” heisst auf Deutsch “Jenseits der Berge”. Ein Albumtitel in Bezug auf deine Heimat, so nah und doch so fern?

Elina Duni Das Album ist für mich tatsächlich eine Reise in die Ferne, die mir aber auch sehr vertraut ist. Gleichzeitig bezieht sich “Matanë Malit” aber auch auf die Standorte meiner beiden Heimatländer. Egal ob du von der Schweiz oder Albanien aus schaust, die Länder liegen immer Jenseits der Berge. Der Albumtitel bezieht sich aber auch auf das westliche Publikum. Die Texte handeln alle von universellen Themen, wie z.b. der Liebe, dem Tod, Freiheit. Themen die uns alle beschäftigen. Auch die Musik empfinde ich als sehr universell. Es sind also Stücke, die uns hier zwar fern sind, aber im Grunde genommen sehr vertraut.

Mit deinem neuen Album hast du dich musikalisch noch tiefer mit der Geschichte Albaniens auseinander gesetzt. Während du dich vorher noch in eher gewohnten Jazz/Balkanischen Klängen bewegt hast und dich schritt für schritt an den Fundus der balkanischen Folklore herangewagt hast, klingt “Matanë Malit” wie das Ergebnis einer langen Reise durch verschiedenste Einflüsse, die dich geprägt haben. Inwiefern unterscheidet sich für dich “Matanë Malit” von deinen anderen beiden Alben?

Elina Duni Wir sind an dieses Album ganz anders herangegangen als noch bei den letzten beiden. In unserem Zusammenspiel sind wir viel klarer geworden. Auch der Umgang mit den Klangfarben ist uns viel bewusster geworden. Ganz nach dem Motto “weniger ist mehr” haben wir es geschafft, der Musik diese Tiefe zu geben, in dem wir die Spannung viel ausgeglichener gestaltet haben. Im Vergleich zu “Lume Lume” klingt “Matanë Malit” reifer. Auch habe ich zu den traditionellen Stücken die wir umarrangiert haben, noch zwei eigene Stücke komponiert, was eine spannende Herausforderung für mich war. Zusammen mit meiner Band (Colin Vallon Piano, Norbert Pfammatter Drums, Patrice Moret Bass) und diesen zwei völlig verschiedenen kulturellen Einflüssen, ist dieses Album entstanden. Hätte ich nur in Albanien gelebt, würde meine Musik mit Sicherheit ganz anders klingen. Auf Metane Malit wollte ich die Aspekte der albanischen Poesie mit der traditionellen albanischen Folklore zusammenbringen. Es ist eine Hommage an die albanischen Dichter.

“Matanë Malit” ist am 21. September auf dem berühmten deutschen Jazz Label ECM veröffentlicht worden. Dein erstes ECM Album. Wie hast du die Arbeit mit dem Gründer und Produzenten des traditionsreichen Labels, Manfred Eicher erlebt?

Elina Duni Die Zusammenarbeit mit Manfred Eicher war sehr befruchtend. Er hatte die genau gleichen Vorstellungen wie wir. Von Anfang an war er von unserer Musik begeistert. Auch er wollte ein Album, welches nicht den einzelnen Musiker hervorhebt, sondern immer das Stück im Vordergrund steht. Es gibt also praktisch keine Jazzsoli im herkömmlichen Sinne, improvisiert wird im Kollektiv und immer mit dem Bewusstsein, dass das Stück an oberster Stelle steht. Mich hat Manfred auch stark beeindruckt mit welcher Euphorie er nach über 2000 produzierten Platten und über 40 Jahre Labelarbeit er noch an die Dinge herangeht und sich freuen kann wie ein kleines Kind. Er hat eine unglaubliche Weitsicht und war immer zur Stelle mit guten Ideen, wenn wir uns mal verloren haben.

Mit deiner Band und auch als Musikerin in anderen Projekten bist du ständig unterwegs und viel im Ausland. Seit Jahren wohnst du aber in der Schweiz. Fühlst du dich hier heimisch?

Elina Duni   Ja, ganz klar. ich fühle mich sehr wohl hier in Bern. Mir gefällt das kultivierte und offene Volk. Und auch wenn ich die grossen Städte im Ausland liebe, könnte ich dort nicht leben. Die Schweiz ist mein Zuhause.

Elina Duni, “Matanë Malit” (ECM)

Webpage und Tourdaten Elina Duni elinaduni.com

Tim and Puma Mimi

Presseschau: Tim & Puma Mimi – Die Gurken, Skype Band aus Zürich und Tokio

Am 11. Mai 2012 ist das neue Album “The Stone Collection Of” des Schweiz/Japanischen Electro Duo’s “Tim & Puma Mimi” auf dem Berner Label Mouthwatering Records/Irascible erschienen. Die Presse war entzückt, ja nahezu begeistert über deren bereits 2. Album. Eine Presseschau zum neuen Album.

“Gurken-Techno”

Christian Fischer und seine Frau Michiko Hanawa machen auf jede erdenkliche Art elektronische Musik.
Mal mit Hackbrett, mal mit Stromkabeln – und manchmal auch mit Gemüse.

«Bei uns funktionierte das Musikmachen von Anfang an», sagt Christian Fischer alias Tim. Als sie sich vor acht Jahren das erste Mal vor den Laptop setzten, um zu musizieren, produzierten sie innert weniger Tage vier Stücke. Diese kamen in der Elektropop-Szene derart gut an, dass das frisch gebackene Duo gleich in diverse angesagte Clubs im In- und nahen Ausland gebucht wurde. Egal, wie abgefahren Tims Ideen sind, seine Frau Mimi ist dabei. So elektrifizieren sich die beiden derzeit, um für ihre Musik schräge Töne zu produzieren. Aktuell erforscht Fischer mit seinem Wundergerät noch den Klang der Gurke. «Solange ein Gegenstand leitet, kann ich damit Klänge erzeugen und Eine Gurke eignet sich dafür sehr gut….», sagt der 35-Jährige….(Quelle: Tages Anzeiger 10.05.12)

Der Artikel ist auch eine liebevoll und charmante Anspielung an ihr “I feel Gurk” Video, bei dem sie die Melodie des berühmten Klassikers von James Brown “I feel good” auf einer Gurke nachspielen.

Von einer Japanischen Pop-Inszenierung redet die Neue Zürcher Zeitung und meint weiter:

«Das Rezept funktioniert: Japansiche Sprechgesänge und Girlie-Melodien interagieren mit knackiger Elektronika, tiefen Bass-Beats und einem Schuss Indie-Rock. Quere Klavier-Passagen, Steeldrum-Klänge, eine Querflöte und und ein Hackbrett spielen dazwischen. Musikalische Vielfalt und Direktheit passen zum Zeitgeist, die kunstvollen Videoclips und Pressefotos auch. Ein stimmiges Gesamtprodukt» (Quelle: Neue Zürcher Zeitung 11.05.12)

Die Aargauer Zeitung wertet das neue Album sogar mit 5 von 5 Sternchen und vergleicht dabei deren Musik mit Japan’s Kultur:

«Sämtliche Kulturen tun seit hundert Jahren dasselbe: Sie schlucken nach und nach die Elemente
der westlichen Kultur und verdauen sie halbwegs in ihrem Bauch. Japan hat sich dem Westen aber nur äusserlich unterworfen und sich seine eigene, hochraffinierte Version von Technologie und Modernität geschaffen. Wer mit Japan zu tun hat, wird umgehend in eine Art Spiel verwickelt…genau wie bei Tim & Puma Mimi, super Freaky!» (Quelle: Aargauer Zeitung 12.05.12)

Der Bund nimmt in seinem Artikel die kulturellen Unterschiede ebenfalls auf und meint:

«Ja, wenn die Welt ein globales Dorf ist, dann sitzen Michiko Hanawa und Christian Fischer von Tim & Puma Mimi im Ältestenrat. Denn so spielerisch, wie sie mit geografischen Grenzen umgegangen sind, übertölpeln sie auch musikalische
Gedankenschranken. Zwischen den beiden funkts, wenn auch nicht gleich musikalisch. Michiko findet Christians Musik zu düster, «da muss mehr Fröhlichkeit rein», sagt sie. Und er, der Melancholikerhymnen wie jenen von Portishead verfallen ist, denkt: Um Himmels willen, fröhliche Musik, da landet man entweder beim Schlager oder beim Halligalli. Also nimmt er sich vor, das Schelmenstück zu bewältigen und Michiko mit glücklich machenden Stücken zu beliefern, die zwar gut gelaunt, aber immer noch hintergründig klingen.» (Quelle: der Bund)

Tim & Puma Mimi Live:

  • 14.07.2012 / Gurtenfestival Waldbühne, Bern
  • 11.08.2012 / Palp Festival, Martigny
  • 28.08.2012 / Kaufleuten, Zürich

Album anhören
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Tim & Puma Mimi

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