Phall Fatale mit «Moonlit Bang Bang» im Helsinki in Zürich

MINIfot_roland_okon_20140901_070_bSo recht weiss man nicht, wie einem geschieht, wenn man sich Phall Fatales zweites Album «Moonlit Bang Bang» anhört. Da ertönen Klänge, die man so nicht erwartet, geschweige denn einordnen kann. Wenn Phall Fatale all die scheinbar unvereinbaren Elemente in einen Topf wirft, entsteht nicht etwa eine braune, undefinierbare Brühe, nein: Sie erschaffen ein Mosaik aus tausenden Farben – die einzelnen Elemente unterschiedlich, die sich zusammen zu einem prächtigen Kunstwerk vereinen.

Akustische Explosionen, mal minimalistisch, mal wuchtig

Bei all den Klangexperimenten erstaunt es, dass keiner der Songs je überladen wirkt. Die Virtuosität der Musiker zeigt sich in der Umsichtigkeit, mit der die Sache angegangen wird. Weil all den akustischen Explosionen genug Raum gelassen wird, zu wirken, kommen sie erst recht zur Geltung; kein kurzes, gewaltiges BANG, sondern ein stetes Bang-Bang-Bang-Bang… Minimalistisch arrangierte Songs wie «Tree House» oder «Night» vermögen einen gleichermassen wegzublasen wie etwa das wuchtige «Crocodile».

Wer sich nach dieser Beschreibung noch nicht wirklich ein Bild von «Moonlit Bang Bang» machen kann, dem sei als Einstieg «Electric Eel» empfohlen: Die treibenden Beats werden einen nicht mehr loslassen. Und da wäre noch der Song «The Girl, The Beat», welcher uns eindrücklich demonstriert, wie sich ein perfekter Popsong im Jahr 2015 anhören könnte.

 

Die Vielfältigkeit, welche Phall Fatales Musik so spannend macht, ist wohl auch auf die Besetzung zurückzuführen. Da fanden sich Musiker mit verschiedenen musikalischen Hintergründen: Zum seit vielen Jahren aktiven und in der Jazz-Szene bekannten Schlagzeuger Fredy Studer gesellten sich im Jahr 2008 zwei Sängerinnen, Joy Frempong (OY, Filewile) und Joana Aderi (Sissy Fox, Eiko), und zwei Kontrabassisten, John Edwards (Mulatu Astatke, Robert Wyatt) und Daniel Sailer (Frachter, Pol).

phall-moonlit«Fatale Tage» im Helsinki in Zürich

«Moonlit Bang Bang» erschien am 16. Oktober 2015 auf Qilin Records und Slowfoot Records. An den «Fatalen Tagen» im Helsinki in Zürich vom 4. bis 7. November 2015 – quasi ein Mini-Festival über vier Tage – kann man sich ein Bild davon machen, wie die Songs des neuen Albums live umgesetzt werden. Danach spielen Phall Fatale bis Mitte Januar 2016 Konzerte in verschiedenen Schweizer Städten.

 

CD
Phall Fatale, “Moonlight Bang Bang” (Dist Irascible)

Live
Die aktuellen Konzertdaten von Phall Fatale:
4. November 2015, Helsinki, Zürich, w/ Joy Frempong & Philippe Ehinger
5. November 2015, Helsinki, Zürich, w/ Pol
6. November 2015, Helsinki, Zürich, w/ Fredy Studer, John Edwards
7. November 2015, Helsinki, Zürich, w/ Sissy Fox
2. Dezember 2015, Cinema Sil Plaz, Ilanz
3. Dezember 2015, Le Singe, Biel/Bienne
4. Dezember 2015, Le Nouveau Monde, Fribourg
5. Dezember 2015, Südpol Club, Luzern
6. Dezember 2015, bee-flat, Bern
20. Januar 2016, Le Bourg, Lausanne
21. Januar 2016, Café Mokka, Thun
22. Januar 2016, Kraftfeld, Winterthur
24. Januar 2016, Kaserne, Basel

 

Great Black Waters: «Glow, Sand & Other Songs»

Björn_Coverfoto_Quer_mediumVerwackelte Bilder eines mehrspurigen Highways, aufgenommen auf dem Armaturenbrett eines Autos, das Meile um Meile der untergehenden Sonne entgegenfährt: Das simple Video zu «Sand» könnte die Verbildlichung des ganzen Albums von Great Black Waters sein. «Glow, Sand & Other Songs» fühlt sich an wie eine ziellose Reise unter einem psychedelisch glühenden Himmel – mit den Haaren im warmen Fahrtwind, mit den Gedanken frei.

Dezent verpackt

Irgendwo zwischen den ekstatischen Gitarrenriffs und den erdigen Drums, Akustik- und Bassgitarren schwebt die Stimme von Great Black Waters gleichmässig und teilweise fast schon flüchtig in das Klanggeschehen hinein. Wo andere Musiker versuchen, in der Tiefe verborgene Gefühle bisweilen plump nach aussen zu tragen, verleiht Björn Magnusson, der hinter dem Pseudonym steckt, den Songs mit dezent verpackten Worten Struktur. Seine zurückhaltende Art ist eine erfrischende Abwechslung zur sonst so beliebten Zelebrierung gekünstelter In-Your-Face-Attitüden.

Brachial und fesselnd

An der Plattentaufe im Helsinki in Zürich blieb Magnusson unverkrampft wortkarg und spielte mit seinen vier Mitmusikern (u.a. Fai Baba) auf der kleinen Bühne ein mächtiges Set; mächtig, weil die verzerrten Gitarrenklänge sich wie eine massive Klangwand vor einem aufbauten. Wo auf dem Album hier und da eine besonnene Leichtigkeit mitschwingt, war der Auftritt grösstenteils geprägt von brachialer, fesselnder Rohheit. Man fand sich manchmal in einer grossartigen Jam-Session wieder.

Great-Black-Waters-©-by-Danny-Hole_Quer1In den diffusen Melodien von «Glow, Sand & Other Songs» verliert man sich schnell und gerne. Mit trockenem Sand in den Haaren blickt man in den rot-blau glühenden psychedelischen Himmel und weiss für einmal die Schönheit des Ungewissen zu schätzen.

«Glow, Sand & Other Songs» erschien am 6. Februar 2015. Great Black Waters spielt am 28. Februar zusammen mit Fai Baba im Albani in Winterthur.

Platte des Monats: Fai Baba «The Savage Dreamer»

FAIBABA_TheSavageDreamer_Cover_2500px_PromoEtwas unerwartet kam die Ankündigung seines aktuellen Albums, denn der Vorgänger «She‘s My Guru» erschien unlängst im Frühling 2013. Ein kurzer Blick auf die Statistik zeigt aber, dass Fabian Sigmund, besser bekannt als Fai Baba, noch nie lange Schaffenspausen eingelegt hat. Sein viertes Album seit 2010 nennt sich «The Savage Dreamer» und ist – ein weiteres Mal – grandios.

50 Minuten Genialität

Abgeklärter und erwachsener kommt das neue Album daher, ohne dass dabei die Leidenschaft und Rohheit abgetötet werden, welche Fai Babas Musik neben seiner charakteristischen Stimme kennzeichnen. Wer all die Feinheiten der Songs erfassen möchte, dem sei empfohlen, sich in ein ruhiges Eckchen zu begeben und sich während knapp fünfzig Minuten ganz der Welt von «The Savage Dreamer» hinzugeben. Auch nach dem zehnten Hördurchgang entdeckt man noch Tonspielereien, die einem vorher nicht aufgefallen sind – was für kleine Glücksmomente sorgt, als hätte man in einem Wimmelbild Walter entdeckt.

 

 

Aus der Ferne heulende Gitarren und warnende Orgel- und Basstöne werden beispielsweise bei «Not That Simple» zu einer akustischen Leckerei aufgeschichtet. Auf dem achteinhalb-minütigen «New York City» verkündet Fai Baba eindringlich, dass er nicht nochmals in die Weltmetropole reisen möchte, weil er sich dort einsam fühlte. Der eindrucksvolle Instrumentalteil, der den Grossteil des Songs ausmacht, könnte meinetwegen ewig weitergehen. Ein weiteres Highlight auf dem Album ist der Opener «The Savage Dream»: Fragil und untermalt mit Piano-, Flöten- und Geigenklängen bietet der Song einen wundervollen Kontrast zu den reissenderen Stücken.

Schöner warten

Blues, Folk und Psychedelic Rock verschachtelt Fai Baba gekonnt zu einem faszinierenden Werk, das es sich ausgiebig zu erforschen lohnt. Dem Tatendrang der letzten Jahre nach zu urteilen, schreibt Fai Baba womöglich bereits fleissig neue Songs für das nächste Album. Bis dahin beschert uns «The Savage Dreamer» die wohl schönste Wartezeit auf Erden.

«The Savage Dreamer» ist am 19. September 2014 erschienen (A Tree In A Field Records).

Die nächsten Konzerte:
14.11.2014, Alte Kaserne, Zürich
06.12.2014, L’Écurie, Genève
20.12.2014, Eisenwerk, Frauenfeld

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