Pommelhorse, für Körper, Kopf und Seele

Pommelhorse 3Das Pauschenpferd auf Reisen: Die fünfköpfige Art-Rock-Jazzband Pommelhorse hat erst in Indien Temperatur gefühlt, bevor sie unsere nördlichen Nachbarn besuchten. Dafür geht’s diesen Herbst quer durch den deutschen Sprachraum. Mit dem selbstbetitelten Debutalbum. Und einer guten Portion Humor.

Der Bandname verleitet natürlich zu Gymnastikvokabular, und so geschieht es auch, dass die Band in Pressetexten turnt, grätscht, oder auf Schritt und Tritt überrascht. Ob das die Jazzer stört? Kein Stück, meint Pommelhorse-Keyboarder Olivier Zurkirchen, der findet, dass bei ihrer Musik durchaus gelacht werden dürfe. Ausserdem, so Zurkirchen, «hat Jazz ja durchaus einen sportlichen Aspekt: Man setzt alles auf die Karte Musik, übt und übt und nimmt Abstriche in anderen Lebensaspekten gerne in Kauf.»

Vor allem, wenn’s so rund läuft wie bei Pommelhorse. Spielte das Quintett 2009 gerade mal drei Konzerte, so ist diese Anzahl dieses Jahr auf beeindruckende 43 Konzerte geklettert. Im 2012 tourte Pommelhorse durch Indien, noch bevor sie unsere Nachbarländer besuchten. «Wir wollten damit signalisieren, dass unser Ziel darin besteht, mit unserer Musik internationale Anerkennung zu geniessen», erklärt Pommelhorse-Klarinettist Lukas Roos. Dafür ist Pommelhorse seit diesem Herbst ausgiebig auf Europatournee – und ab nächstem Frühling bereits mit ihrem zweiten Album am Start. Doch den Anfang macht das Pauschenpferd mit dem nächsten Release, wie es sich gehört, zuhause: In der Turnhalle. Gemeint ist natürlich das bee-flat im Berner PROGR.

Vom 22. Oktober bis 8. November reisen Pommelhorse nach Deutschland und spielen Konzerte in Berlin, Köln, Hamburg

Erika Stucky, ein üppiger 16-Gänger

248_cover_frontWas erwarten wir von Kunst? Dass sie gefällig ist, sich und ihren Kanon ständig wiederholt und uns in unseren Haltungen bestätigt? Erika Stucky tut nichts davon. Deshalb ist «Black Widow» Kunst.

Von der Bühne…

«Hey, just because you’re paranoid it doesn’t mean nobody’s following you.» Erika Stucky sorgt für Irritation. Gemeinsam mit David Coulter, Terry Edwards und Michael Blair präsentiert uns die Musikerin 16 Stücke: Währen Stimme und Timbre der Sängerin im Rampenlicht stehen, flirten ihre Texte und ihre Musik im Zwielicht mit Film und Theater, mit Traum und Realität, mit Romantik und Vernunft.

 …in die Küche

«Black Widow» ist eine Tour de Force, ein üppiges 16-Gänge Menu, das man gerne geniesst – auch, weil Chefköche dahinterstecken. Das schwerverdauliche Cover von «Black Betty» eröffnet die Schlemmerei. Mit «Knees» setzt uns Stucky bedrohlich das Messer an die Kehle, um uns einen Track später mit «Spiderlegs» versöhnlich Süsses zu geben. Leicht bekömmlich ist das alles nicht. Mit den Worten Cake, Coffee und Sugar lässt uns Erika Stucky zwar wohlgenährt zurück: Der Appetit ist verschwunden – aber der Hunger auf solche Kunst, der ist stärker als je zuvor.

Erika Stucky, “Black Widow” (Traumton Records)

%d bloggers like this: