Bad Bonn Kilbi 2014

k2Das Programm der 24. Ausgabe der Bad Bonn Kilbi in Düdingen versprach eine Wundertüte – und das Versprechen wurde gehalten. So gab es etwa den 62-jährigen Lo-Fi-Pop-Visionär R Stevie Moore zu bestaunen, wie dieser sich mitsamt Rockband durch seinen Katalog, der über 400 Alben zählt, spielte. Man blinzelte in die Sonne, während der Brasilianer Rodrigo Amarante – einst Gefährte von Devendra Banhart, seine traurigen Lieder anstimmte. Und man tanzte, viel sogar, dank der surrealen Space-Latin-Spielart der kolumbianischen Meridian Brothers und dank Larry Gus, der seine tropisch flirrende und sehr perkussive Electronica mit Stimmen, Vintage-Soul-Samples und Trommelschlägen anreicherte.

Die Bad Bonn Kilbi streifte die Extreme

Während den drei Tagen streifte die Bad Bonn Kilbi einmal mehr die Extreme mit Bands wie den Däninnen Selvhenter oder den Baslern Mir, tauchte in schwere Psychedelia ab – allen voran der Auftritt der kalifornischen Wooden Shjips und zelebrierte leichtfüssig den Welt-Pop. Natürlich gab es auch viel Schweizer Musik – beispielsweise vom Zürcher-Duo Wolfman, von Puts Marie und von den Monsters rund um Reverend Beat-Man.

Das Festival, das sich immer noch allen Kategorien entzieht

k1Und dann gibt es noch eine Erscheinung zu vermelden, die etwas Heiliges ausstrahlte, und die sich den herkömmlichen Kategorien entzieht. Es war der Auftritt von Jeff Mangum, der mit seiner Band Neutral Milk Hotel aus seiner ganz eigenen Welt zurückgekehrt ist, und am letzten Festivalabend mit tieftraurigen und doch tröstend-euphorischen Liedern alle Dämme brechen liess. Es war der Höhepunkt einer wunderbaren Ausgabe der einzigeartigen Bad Bonn Kilbi, dem Festival, das sich immer noch allen Kategorien entzieht.

Die 24. Bad Bonn Kilbi fand vom 29.05 bis 31.05 2014 statt.

Advertisements

Dim Grimm / Dimlite & Mir an der Bad Bonn Kilbi

3110_Dim Grimm_1Vor vier Jahren wars, als der kalifornische Super-Produzent The Gaslamp Killer anlässlich des unfassbar verpeilten Konzerts von Gonjasufi im Bad Bonn in Düdingen einen Track des Berners Dimitri Grimm alias Dimlite einspielte – und diesem lokalen Helden so seine Reverenz erwies.

Dimlite versus Balt Mirczok versus Mitsel Quitno

Die Szene war symptomatisch für diesen Künstler, der im Ausland viel bekannter als in seiner Heimat ist. Denn ja, man wusste vom mittlerweile 33-Jährigen, doch blieb er immer im zuweilen auch selbst gewählten Schatten – auch dank weiteren Pseudonymen wie Balt Mirczok oder Mitsel Quitno.

Dabei veröffentlicht Dimitri Grimm seine letzte Platte als Dimlite namens «Grimm Reality» auf Now Again, einem Sub-Label des Vorzeige-Hip-Hop-Hauses Stones Throw, wo seine unglaublich facettenreiche Musik, die zwischen psychedelischen Soundforschungen und verquer produzierten Beats hin und her schlenkert, bestens aufgehoben ist.

Nach seinem Bad Bonn Kilbi-Auftritt im Jahr 2012 kehrt Dim Grimm nun ans Festival zurück – mit einem seiner seltenen Sets, die er hierzulande spielt. Weil: Im Ausland ist dieser Ausnahme-Produzent immer noch weit bekannter.

Shock Your Moneymaker

mirDirekt vor Grimm spielt am Schlussabend der diesjährigen Bad Bonn Kilbi die Basler Lärmformation Mir auf, die im Frühling 2013 ihr live eingespieltes Manifest «Shock Your Moneymaker» auf dem Label A Tree In A Field (u.a. Combineharvester & Fai Baba) veröffentlichten.

Perkussionsgewitter, fiepende Analog-Synthesizer, mächtige Bässe, viel Experiment und viel Lust, kurz: hier ist alles da, was das Noise-Herz begehrt.

Die Bad Bonn Kilbi findet vom 29. bis 31. Mai statt. Infos: wwww.kilbi.badbonn.ch

Bit-Tuner: «The Japan Syndrome»

bit-tuner_by_martinrichi_3.jpg__630x400_q80_crop_upscaleMarcel Gschwend ist Bit-Tuner. Seit 1997 produziert der St. Galler, der mittlerweile in Zürich lebt, basslastigen Electro, spannt mit Rappern wie Dani Göldin zusammen, vertont live Stummfilme und spielt Bassgitarre bei Stahlberger, der Band, die mit ihrem dritten Album «Die Gschicht isch besser» auch die Schweizer Hitparaden erobert hat.

Solo veröffentlichte der 36-Jährige zuletzt «The Japan Syndrome», das nun auch auf Vinyl erschienen ist. Es ist nach «The China Syndrome» bereits die zweite Platte, die während seiner Live-Residency im Zürcher Club Helsinki entstanden ist.

Auf «The Japan Syndrome» bringt Bit-Tuner seine Sounds aus seinem stetig anwachsenden elektronischen Gerätepark mit Alltagsgeräuschen zusammen, die er auf seiner Japanreise im Frühling 2013 gesammelt hat. Grossstadtlärm und Vogelgezwitscher treffen auf mächtige Bässe, auf Beats, die sich langsam entwickeln und auf zirpende Höhen.

So entwickelt sich eine eigentümliche Dub-Atmosphäre, die zwischen tiefen Strassenschluchten und Stadtpark und zwischen Club und Schlafzimmer anzusiedeln ist. Bit-Tuner ist auf «The Japan Syndrome» einmal mehr ein überaus einfallsreicher Soundarchitekt, der auch dank seinem Band-Hintergrund weit über die Electro-Landschaft hinausweist.

Bit-Tuner: «The Japan Syndrome» (Hula Honeys)

 

Bit-Turner Konzerte: 21 May, Rote Fabrik (Zurich), 23 May TabTap (Shaffausen), 24 May, Palace (St.Gallen) und mehr…

%d bloggers like this: