Grenzenlos – Ein Festival rund um das Piano, von Beethoven über Boulez bis Monk

Das Piano-PAM Festival (Platz für andere Musik) geht dieses Jahr in die Zweite Runde. Vom  16.11. – 18.11.12 dreht sich in Uster alles um das Piano. Eintönig? Im Gegenteil. Der Schlagzeuger und Gründer des PAM Festivals Lucas Niggli erklärt uns, warum gerade ein Festival in dieser Form ein besonders grosses Entdeckungspotential birgt und zu einem erfrischenden Kulturerlebnis wird.

Während das PAM Festival 2010 zum ersten Mal stattfand, veranstaltest du ebenfalls unter dem Namen PAM aber schon seit über 9 Jahren Konzerte in Uster. Eine Konzertreihe die du selbst ins Leben gerufen hast. Was war der Ursprungsgedanke dafür?

Lucas Niggli: Zum einen liegt dies am musikalischen Angebot In Uster. Wir haben zwar den Jazzclub und die Kulturgemeinschaft Uster, die beide regelmässig Konzerte veranstalten, allerdings jeweils in Bereichen, die mich nicht immer interessieren. Zum anderen hatte ich neben meinem Atelier den “Qbus” (ein altes Kino, welches heute leider nicht mehr besteht), ein Ort also, der für solche Anlässe perfekt geschaffen war. Als Musiker reise ich viel in der Welt herum, wobei ich auch immer sehr interessante Leute treffe. Mit dem „”Qbus”“ hab ich einen Raum gefunden, um diese Leute nach Uster zu bringen. Ein Experimentierfeld, ein Spielplatz um Sachen auszuprobieren, und Grenzen zu überschreiten. Aber natürlich hab ich auch darum die Konzertreihe PAM gegründet, um meiner Community hier in Uster etwas zurück geben zu können, von dem was ich auf all meinen Reisen erlebe.

Dass ich das Konzerprogramm jeweils voll und ganz nach meinem Geschmack gestalten konnte und kann, liegt natürlich auch daran, dass ich die Musiker alle persönlich kenne, mit ihnen zusammen arbeite, was natürlich ein grosser Vorteil ist. Dass die Konzertreihe PAM allerdings bis heute andauert – mittlerweile haben wir schon über 44 Konzerte veranstaltet, jeweils ca. 4 pro Jahr – hätte ich mir damals allerdings nicht erträumt.

Als ich vor über 10 Jahren damit begonnen habe, war alles noch sehr im Low Budget Bereich. Die ersten beiden Jahre habe ich sogar noch draufgelegt, aber meine Frau ,die mich dabei immer unterstützte, meinte jeweils: ” Andere gönnen sich teure Weine oder Essen oft auswärts und wir leisten uns eben die Konzerte.”

Das Piano PAM Festival findet dieses Jahr bereits zum zweiten Mal,nach der Erstausführung im Jahre 2010 statt. Was hat dich dazu bewogen, nebst der Konzertreihe noch ein Festival zu lancieren?

Lucas Niggli: Der Ursprungsgedanke war eigentlich der, dass ich so viele interessante Pianisten gerne nach Uster geholt hätte, dies aber nie möglich war, da es im “”Qbus” ” keinen Flügel hatte. Diesen jeweils für ein einziges Konzert zu mieten, hätte sich finanziell nicht gelohnt. Für ein 3-tägiges Festival allerdings schon und so beschloss ich deshalb ein Festival zu gründen, bei dem das Piano im Zentrum steht. Das Piano war also der ausschlaggebende Punkt. Die erste Ausgabe des Piano-PAM Festivals im Jahre 2010 kam dann so gut beim Publikum an, dass ich dachte, komm das mach ich wieder.

Mit den ebenfalls im Kanton Zürich stattfindenden Festivals Taktlos und Unerhört, gibt es ja bereits Veranstaltungen mit einer ähnlichen Ausrichtung. Inwiefern unterscheidet sich da das PAM Festival von den anderen?

Lucas Niggli: Da unterscheidet sich sehr viel. Zum einen nur schon die Geschichte und die Grösse der Festivals. das Taktlos ist ein Festival mit internationalem Renommée und war in der Schweiz ein wichtiger Impulsgeber für Neue Musik vor allem in den 80er  – und 90er Jahren . Allerdings hat das Taktlos in den letzten Jahren eine Krise durchgemacht, weshalb es etwas an Relevanz verloren –  und mit dem Unerhört Festival starke Konkurrenz erhalten hat, was wiederum auch dem  Taktlos gut tut . Die Festivals bemühen sich vermehrt um Profil und das hat einen positiven Effekt auf die Programmation. Während das Taktlos sich vor allem auf die improvisierte Musik im Zusammenhang mit Jazz und Rock fokussiert, dreht sich beim „Piano – PAM“ alles um ein Instrument und kennt dabei keine stilistischen Grenzen. Ein Festival bei welchem an einem Abend Musik von Thelonious Monk, Beethoven und Pierre Boulez zu hören ist, das muss man in der Schweiz sicherlich suchen.

Auf welche Leckerbissen dürfen wir uns ganz speziell bei dieser Ausgabe des PAM Festivals freuen?

Lucas Niggli: Persönlich freue ich mich sehr auf den Zürcher Pianisten Stefan Wirth, der Musik von Beethoven und Pierre Boulez spielen wird und natürlich Alexander von Schlippenbach, eine grosse Legende des Freejazz in Europa. Dass diese zwei Pianisten den gleichen Abend bestreiten ist sehr toll. Ich als Konsument wünschte mir mehr oder zumindest regelmässiger solche Abende. Aber dies ist ja auch mit ein Grund weshalb ich das PAM Festival veranstalte. Ich mache mir dabei selbst ein Geschenk, in dem ich ein Programm zusammenstelle mit Musik von Komponisten, die ich am liebsten höre. Also Thelonious Monk, Pierre Boulez und Ludwig van Beethoven.

Findest du, dass es in der Schweiz genügend Platz für andere Musik gibt, gerade in der freien Improvisation?

Lucas Niggli: Nein, es gibt nie genügend solche Orte. Aber dies hat auch gewisse Vorteile. So müssen sich die jungen Musiker aus der Not heraus selber ihre Plattformen schaffen. Die jüngere Schweizer Generation macht dies anhand des Beispiels der Jazzwerkstatt in Bern. Eine Bewegung, die im übrigen in ganz Europa stattfindet. Sie definieren sich so ihren ganz eigenen Spielplatz. Wenn du etwas selber aufziehst, in deiner Szene, deinem Umfeld, kannst du es so gestalten und prägen, wie du es möchtest und das, gehört auch zur künstlerischen Arbeit und Identität eines Musikers. Es steckt zwar jeweils viel Arbeit, dahinter, ist aber zugleich auch sehr befriedegend. Ich kann gleichzeitig Gastgeber sein – was ich als ein sehr schönes Gefühl empfinde – und die Musik aufführen und spielen, die ich möchte.

Ich glaube auch, dass in einem Konzertbetrieb wie das PAM ihn führt, eine interessante Zukunft steckt. Heute hören oder konsumieren die Leute ein viel breiteres Musikangebot als früher. Warum aber führt man Musik meistens nur in den dafür traditionsgemäss üblichen Räumlichkeiten auf? Wie z.b. Beethoven nur in der Tonhalle, Boulez nur im Kontext von Neuer Musik, oder Monk nur in einem Jazzclub? Diese Tradition zu brechen ist mir ebenfalls ein grosses Anliegen. Und darum geht es bei PAM auch, in dem man Traditionen, Vorstellungen und Gewohnheiten aufbricht.

Das PAM Festival findet vom 16.11.12 – 18.11.12 in Uster statt. Die Konzerte beginnen jeweils um 20:30 Uhr. Eintrit 20.-/30.-

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