Cowboys From Hell mit neuem Album

cfh_live_farbigWild, furios und rotzig, das sind die Cowboys From Hell. Das selbsternannte „Jazz-Core“ Trio hat vor kurzem sein zweites Album „Big Fish“ veröffentlicht und knüpft damit in bekannter Manier an seinen Erstling an. Nach erfolgreicher Album-Release Tour geht’s im Februar wieder nach Deutschland und im April nach Russland. Ein Erfolg der hart erkämpft werden musste, denn die Schweizer Band stand zwischenzeitlich sogar vor dem Aus, wie uns Christoph Irniger, Saxophonist und Komponist der Cowboys From Hell im Interview erzählt.

Im Jahre 2008 erschien euer erstes Album „Monster Rodeo“, mit dem ihr die schweizer Musikszene mit eurem unverkennbaren Sound schon mal gehörig aufgemischt habt. Es folgten einige Konzerte im In – und Ausland. Doch es dauerte trotzdem 4 Jahre, bis ihr euren Zweitling „Big Fish“ im Herbst 2012 veröffentlicht habt. Weshalb dauerte das so lange?

Christoph Irniger: Wir standen kurz vor der Auflösung. Unser ursprüngliche Bassist Richi Pechota hatte andere Pläne und ist ausgestiegen. Unser Drummer Chrigel Bosshard spielte in dieser Zeit gleichzeitig bei Drei erfolgreichen Schweizer Bands, Lunik, Bonaparte und Marc Sway und hatte deshalb einfach keine Zeit mehr für die Cowboys. Dies führte dazu dass wir einfach keine Zeit mehr fanden für unsere Band und Gigs absagen mussten, was letztendlich auch sehr an der Motivation gekratzt hat überhaupt noch weiter zu machen. Dass wir dann aber schlussendlich doch noch die Kurve bekommen haben, ist eigentlich dem ZKB Jazzpreis zu verdanken. Wir wurden da quasi aus heiterem Himmel dazu eingeladen daran teilzunehmen, was uns natürlich wieder schub und Motivation für unsere Band gegeben hat. Daraufhin suchten wir uns einen neuen Bassisten und stiessen dabei auf Marco Blöchlinger und das hat sofort unglaublich toll funktioniert. Marco ist ein Perfektionist mit einem unglaublich guten Gespür für Sounds. Die Cowboys waren wieder da. Für den Gig am ZKB haben wir uns dann auch vorgenommen neue Stücke zu schreiben was letztendlich auch dazu führte wieder eine neue Platte aufzunehmen. Deshalb hat dies alles so lange gedauert.

Eure Musik ist geprägt von Gegensätzen. Stilistisch schwer einzuordnen. Ihr selbst nennt es “Jazz-Core”, also eine Mischung aus Jazz und Hardcore. Wobei es stilistisch bei euch noch viel bunter zu und her geht.Wo holt ihr euch eure Inspirationen für eure Stücke jeweils her?

Christoph Irniger: Uns stilistisch einzuordnen, da tun auch wir uns eher schwer. Wir drei haben alle ganz unterschiedliche musikalische Backgrounds. Ich z.b. bewege mich mehr oder weniger nur in der Jazzmusik und dabei oft auch in der freien Improvisation. Der Chrigel hat seine Wurzeln sicherlich im Rock, aber er ist ebenso ein unglaublich toller Pop Drummer. Ausserdem spielt er oft mit Don Li und ist fester Bestandteil der Touns’ Szene. Er ist eigentlich der Musiker mit dem grössten Radius in unserer Band. Marco ist absolut der Pop Bassist, der u.a bei Bands wie Lunik, Myron spielt. Die Stücke werden vor allem von Chrigel und mir geschrieben. Marco ist dann derjenige, der ein gutes Gespür hat, wie man das interessant umsetzen könnte. Er geht da jeweils sehr pragmatisch an heran und tüftelt so lange bis er zufrieden ist. Diese Kombination dieser drei Musiker bringt sehr viel Spannung mit sich.

Ein herausstechendes Merkmal eurer Musik ist bestimmt der Sound deines Tenor Saxophons der jeweils so stark verändert wird, dass man teilweise sogar meint eine verzerrte Gitarre zu hören. Dann glaubt man aber wieder eine Art Synthesizer zu hören, aber selten bis nie den originalen Sax sound. Du selbst bist ja vor allem auch in der freien Szene verankert, wo Effekte in dieser Art eher unüblich sind. Was hat dich dazu getrieben, dich trotzdem so intensiv mit den Effekten auseinander zu setzen?

Christoph Irniger:Eigentlich muss ich gestehen, dass ich überhaupt kein Soundtüftler bin. Ich habe zwei Multieffektgeräte, eine Filterbank und eine Loopstation. Daran schraube ich jeweils so lange herum, bis ich einen Sound gefunden habe der mir gefällt. Natürlich kenn ich mich mittlerweile mit diesen Geräten schon ganz gut aus. Aber fragt mich einfach nicht nach solchen Fachbegrfiffen wie „Envelope“ oder „Decay“ usw. davon hab ich keine Ahnung. Durch das ausprobieren mit diesen Effekten und den vielen Proben mit den Cowboys hat sich mein Sound immer weiter entwickelt. Und natürlich hör ich mir nach wie vor Bands an, die mich musiaklisch sehr geprägt haben, wie z.b. Rage against the Machine, Massive Attack oder AC/DC die für mich zu den wichtigsten Bands überhaupt gehören. Mit den Cowboys wollte ich einfach lauten und wilden Rock spielen und so hab ich mich auf die Suche nach dem passenden Saxophon Sound gemacht.

Einer eurer Songs trägt den Titel „Horror Show“. Gibt es da eine Geschichte dazu?

Christoph Irniger:Ja da gibt es eine Geschichte. Ich war mit meiner Familie in den Ferien in Irland. Wir haben uns dort ein Haus gemietet, sozusagen im Niemandsland. In der Nacht war es dort jeweils so dunkel, dass man überhaupt nichts sehe konnte. Kein Licht, alles war Schwarz. Man konnte nicht mal den Himmel von der Erde unterscheiden. Und als ich da so aus dem Fenster ins Schwarze rausstarrte habe ich mir vorgestellt in mitten einem Horror Film wie z.b. Blair Witch Project zu sein. Die Geräusche die ich wahrnahm hab ich so interpretiert, dass da draussen nun irgendwelche Banden um unser Haus schleichen und uns beobachten. Naja, nicht gerade der beste Moment um sich solche gruselige Szenen vorzustellen. Das war schon gespenstisch. Und dabei ist mir dann irgendwann die Idee für diese Basslinie von „Horror Show“ eingefallen und so ist dann eben der Song entstanden.

Demnächst seid ihr wieder auf Tour. Auf welchen Cowboys Ritt in die Hölle freust du dich besonders?

Christoph Irniger: Wir sind gerade daran neue Stücke zu erarbeiten, worauf ich mich natürlich sehr freue diese bald live zu präsentieren. Und Natürlich freue ich mich sehr auf unsere gemeinsame Deutschland –Tour. Das ist immer etwas spezielles, wenn man einige Tage zusammen weg ist und jeden Tag spielt, daraus ergibt sich eine ganz andere Dynamik, als wenn man jeweils einzelne Gigs spielt. Und das ist auch 10 mal mehr Wert als zu proben. Im April geht’s dann nach Russland auf Tour und darauf freu ich mich natürlich auch sehr, nicht zu letzt, weil es für uns absolut Neuland ist.

Upcoming Dates in Switzerland:

31.01.13 Moods, Zürich

01.02.13 Bejazz, Bern

2.02.13 Treibhaus Luzern

Weitere Tourdaten

Album “Big Fish” reinhören

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Grenzenlos – Ein Festival rund um das Piano, von Beethoven über Boulez bis Monk

Das Piano-PAM Festival (Platz für andere Musik) geht dieses Jahr in die Zweite Runde. Vom  16.11. – 18.11.12 dreht sich in Uster alles um das Piano. Eintönig? Im Gegenteil. Der Schlagzeuger und Gründer des PAM Festivals Lucas Niggli erklärt uns, warum gerade ein Festival in dieser Form ein besonders grosses Entdeckungspotential birgt und zu einem erfrischenden Kulturerlebnis wird.

Während das PAM Festival 2010 zum ersten Mal stattfand, veranstaltest du ebenfalls unter dem Namen PAM aber schon seit über 9 Jahren Konzerte in Uster. Eine Konzertreihe die du selbst ins Leben gerufen hast. Was war der Ursprungsgedanke dafür?

Lucas Niggli: Zum einen liegt dies am musikalischen Angebot In Uster. Wir haben zwar den Jazzclub und die Kulturgemeinschaft Uster, die beide regelmässig Konzerte veranstalten, allerdings jeweils in Bereichen, die mich nicht immer interessieren. Zum anderen hatte ich neben meinem Atelier den “Qbus” (ein altes Kino, welches heute leider nicht mehr besteht), ein Ort also, der für solche Anlässe perfekt geschaffen war. Als Musiker reise ich viel in der Welt herum, wobei ich auch immer sehr interessante Leute treffe. Mit dem „”Qbus”“ hab ich einen Raum gefunden, um diese Leute nach Uster zu bringen. Ein Experimentierfeld, ein Spielplatz um Sachen auszuprobieren, und Grenzen zu überschreiten. Aber natürlich hab ich auch darum die Konzertreihe PAM gegründet, um meiner Community hier in Uster etwas zurück geben zu können, von dem was ich auf all meinen Reisen erlebe.

Dass ich das Konzerprogramm jeweils voll und ganz nach meinem Geschmack gestalten konnte und kann, liegt natürlich auch daran, dass ich die Musiker alle persönlich kenne, mit ihnen zusammen arbeite, was natürlich ein grosser Vorteil ist. Dass die Konzertreihe PAM allerdings bis heute andauert – mittlerweile haben wir schon über 44 Konzerte veranstaltet, jeweils ca. 4 pro Jahr – hätte ich mir damals allerdings nicht erträumt.

Als ich vor über 10 Jahren damit begonnen habe, war alles noch sehr im Low Budget Bereich. Die ersten beiden Jahre habe ich sogar noch draufgelegt, aber meine Frau ,die mich dabei immer unterstützte, meinte jeweils: ” Andere gönnen sich teure Weine oder Essen oft auswärts und wir leisten uns eben die Konzerte.”

Das Piano PAM Festival findet dieses Jahr bereits zum zweiten Mal,nach der Erstausführung im Jahre 2010 statt. Was hat dich dazu bewogen, nebst der Konzertreihe noch ein Festival zu lancieren?

Lucas Niggli: Der Ursprungsgedanke war eigentlich der, dass ich so viele interessante Pianisten gerne nach Uster geholt hätte, dies aber nie möglich war, da es im “”Qbus” ” keinen Flügel hatte. Diesen jeweils für ein einziges Konzert zu mieten, hätte sich finanziell nicht gelohnt. Für ein 3-tägiges Festival allerdings schon und so beschloss ich deshalb ein Festival zu gründen, bei dem das Piano im Zentrum steht. Das Piano war also der ausschlaggebende Punkt. Die erste Ausgabe des Piano-PAM Festivals im Jahre 2010 kam dann so gut beim Publikum an, dass ich dachte, komm das mach ich wieder.

Mit den ebenfalls im Kanton Zürich stattfindenden Festivals Taktlos und Unerhört, gibt es ja bereits Veranstaltungen mit einer ähnlichen Ausrichtung. Inwiefern unterscheidet sich da das PAM Festival von den anderen?

Lucas Niggli: Da unterscheidet sich sehr viel. Zum einen nur schon die Geschichte und die Grösse der Festivals. das Taktlos ist ein Festival mit internationalem Renommée und war in der Schweiz ein wichtiger Impulsgeber für Neue Musik vor allem in den 80er  – und 90er Jahren . Allerdings hat das Taktlos in den letzten Jahren eine Krise durchgemacht, weshalb es etwas an Relevanz verloren –  und mit dem Unerhört Festival starke Konkurrenz erhalten hat, was wiederum auch dem  Taktlos gut tut . Die Festivals bemühen sich vermehrt um Profil und das hat einen positiven Effekt auf die Programmation. Während das Taktlos sich vor allem auf die improvisierte Musik im Zusammenhang mit Jazz und Rock fokussiert, dreht sich beim „Piano – PAM“ alles um ein Instrument und kennt dabei keine stilistischen Grenzen. Ein Festival bei welchem an einem Abend Musik von Thelonious Monk, Beethoven und Pierre Boulez zu hören ist, das muss man in der Schweiz sicherlich suchen.

Auf welche Leckerbissen dürfen wir uns ganz speziell bei dieser Ausgabe des PAM Festivals freuen?

Lucas Niggli: Persönlich freue ich mich sehr auf den Zürcher Pianisten Stefan Wirth, der Musik von Beethoven und Pierre Boulez spielen wird und natürlich Alexander von Schlippenbach, eine grosse Legende des Freejazz in Europa. Dass diese zwei Pianisten den gleichen Abend bestreiten ist sehr toll. Ich als Konsument wünschte mir mehr oder zumindest regelmässiger solche Abende. Aber dies ist ja auch mit ein Grund weshalb ich das PAM Festival veranstalte. Ich mache mir dabei selbst ein Geschenk, in dem ich ein Programm zusammenstelle mit Musik von Komponisten, die ich am liebsten höre. Also Thelonious Monk, Pierre Boulez und Ludwig van Beethoven.

Findest du, dass es in der Schweiz genügend Platz für andere Musik gibt, gerade in der freien Improvisation?

Lucas Niggli: Nein, es gibt nie genügend solche Orte. Aber dies hat auch gewisse Vorteile. So müssen sich die jungen Musiker aus der Not heraus selber ihre Plattformen schaffen. Die jüngere Schweizer Generation macht dies anhand des Beispiels der Jazzwerkstatt in Bern. Eine Bewegung, die im übrigen in ganz Europa stattfindet. Sie definieren sich so ihren ganz eigenen Spielplatz. Wenn du etwas selber aufziehst, in deiner Szene, deinem Umfeld, kannst du es so gestalten und prägen, wie du es möchtest und das, gehört auch zur künstlerischen Arbeit und Identität eines Musikers. Es steckt zwar jeweils viel Arbeit, dahinter, ist aber zugleich auch sehr befriedegend. Ich kann gleichzeitig Gastgeber sein – was ich als ein sehr schönes Gefühl empfinde – und die Musik aufführen und spielen, die ich möchte.

Ich glaube auch, dass in einem Konzertbetrieb wie das PAM ihn führt, eine interessante Zukunft steckt. Heute hören oder konsumieren die Leute ein viel breiteres Musikangebot als früher. Warum aber führt man Musik meistens nur in den dafür traditionsgemäss üblichen Räumlichkeiten auf? Wie z.b. Beethoven nur in der Tonhalle, Boulez nur im Kontext von Neuer Musik, oder Monk nur in einem Jazzclub? Diese Tradition zu brechen ist mir ebenfalls ein grosses Anliegen. Und darum geht es bei PAM auch, in dem man Traditionen, Vorstellungen und Gewohnheiten aufbricht.

Das PAM Festival findet vom 16.11.12 – 18.11.12 in Uster statt. Die Konzerte beginnen jeweils um 20:30 Uhr. Eintrit 20.-/30.-

Ingrid Lukas – In Estland ein Popstar, in der Schweiz noch ein Geheimtipp

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Die Schweiz/Estnische Jazz-Sängerin Ingrid Lukas hat vor ca. 1 Jahr ihr viel beachtetes Album “Silver Secret” veröffentlicht, welches sie zusammen mit dem Norwegischen Jazz-Pianisten Bugge Wesseltoft und dem langjährigen Sound Engineer von Björk, Valgeir Sigurosson produziert hat.
In Estland holte sie sich damit vor kurzem den 2. Platz beim estnischen Music Award was ihr zum entgültigen Durchbruch in ihrem ursprünglichen Heimatland verhalf. In der Schweiz noch ein Geheimtipp – was sich aber bald ändern dürfte – ist die 27-Jährige Sängerin zur Zeit auf Deutschland Tour.


Vor kurzem hast du den sagenhaften 2. Platz am Estnischen Music Award belegt. Was hat sich seitdem in Bezug auf deine Person in Estland verändert?

Ingrid Lukas: In Estland läuft es mittlerweile sehr gut. Die Leute schätzen meine Musik, was mich natürlich sehr freut. Die Medienpräsenz ist stark angestiegen, die Radios spielen meine Songs. Ein tolles Gefühl, wenn man bedenkt, dass Estland ja nicht mein Lebensmittelpunkt ist.

Als Ende 2011 dein neues Album “Silver Secret” veröffentlicht wurde, gab es ja eine Art Seilziehen zwischen den Esten und den Schweizern, wer denn nun mehr Anteil an Ingrid Lukas hat. Mit dem 2. Platz in Estland hast du dich ja dort mittlerweile zum heimischen Popstar mutiert, während man dich in der Schweiz wohl noch eher zu den viel gelobten Geheimtipps zählst. steht es nun 1:0 im Seilziehen für Estland?

Ingrid Lukas: (Lacht) Ja das könnte man vielleicht so sagen. Seit meinem 2. Platz am Estnischen Music Award ist der Medienrummel um meine Person tatsächlich stark angestiegen. Ich freue mich einfach sehr über diesen 2. Platz. Es ist eine tolle Wertschätzung für meine Arbeit, die ich ja mittlerweile schon seit ca. 15 Jahren mache. Höhen und Tiefen sind in meinem Beruf alltäglich und auch wenn ich in erster Linie Musik für mich selbst mache, tut es immer wieder gut Bestätigung zu bekommen. Das spornt an und gibt dir Energie um weiter zu machen.
Dass die Schweiz jeweils etwas länger braucht, und erst dann auf ihre Künstler aufmerksam wird, wenn das Ausland schon längst am schwärmen ist, hab ich auch schon bei anderen Künstlern so wahrgenommen, aber trotzdem ist dies für mich sekundär.
Natürlich wünscht man sich, dass du mit deiner Musik immer mehr Leute erreichen kannst, deine Konzerte besucht werden, aber es darf nicht der Anstoss sein Musik zu machen.

Du bist zur Zeit in Deutschland auf Tour. Wie sind dort die Reaktionen auf Ingrid Lukas?

Ingrid Lukas: Die Reaktionen hier sind toll. Die meisten haben ja vorher wahrscheinlich noch nie von Ingrid lukas gehört. Die Konzerte sind gut besucht und die CD-Verkäufe laufen ebenfalls super. Den Deutschen gefällt unsere Musik und die für ihr Empfinden eher exotische Mischung aus Estnisch und Englisch.

Während du auf deinem 1. Album “We need to repeat” noch mit Nick Bärtsch zusammen gearbeitet hast, hat es dich für deinen Zweitling “Silver Secret” in den Norden zu Bugge Wesseltoft verschlagen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Ingrid Lukas: Wenn möglich arbeite ich jedes Jahr freiwillig am Jazz Festival in Willisau. Bugge hatte dort im Jahr 2008 gespielt und ich wollte ihn unbedingt kennen lernen. Ich hab dann versucht den Job als Beifahrer zu bekommen – leider hab ich immer noch keine autofahrprüfung – was mir glücklicherweise auch gelang. so war ich also dabei, als wir den Bugge in Zürich am Flughafen abholten. Da sein Gepäck aber Verspätung hatte, mussten wir 5 Std. warten. Um die Zeit totzuschlagen gingen wir in ein Kaffe. Da hab ich natürlich die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und ihm von meiner Band erzählt. Dies war sozusagen der Beginn unserer Zusammenarbeit.

Was sind deine nächsten Ziele, wie wird es mit Ingrid Lukas weitergehen?

Ingrid Lukas: Demnächst werden wir uns, wahrscheinlich in einer abgelegenen Hütte in Estland, einrichten, um unser 3. Album aufzunehmen.
Darauf freue ich mich natürlich sehr!

Webpage Ingrid Lukas ingridlukas.com
Tourdaten

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Elina Duni, eine Heimat so nah und doch so fern

Das neue Album “Matanë Malit” (ECM/Harmonia Mundi) der schweiz/albanischen Musikerin und Sängerin Elina Duni ist eine Hommage an die albanische Poesie und deren Lieder. Sie nimmt uns dabei mit auf eine wunderschöne Reise in ein fernes Land, dessen Klänge uns wehmütig stimmen und ergreiffen vom ersten bis zum letzten Ton.

Im Gegensatz zu deinen früheren Alben “Baresha” und “Lume Lume”, singst du auf “Matanë Malit” ausschliesslich albanisch. was bedeutet es für dich, als Sängerin, die davor vorwiegend englische Texte interpretiert hat, in deiner Muttersprache zu singen?

Eina Duni Albanisch zu singen ist für mich sehr speziell und auch sehr interessant. Bis ich 10 Jahre alt war habe ich in Albanien gelebt, danach bin ich in die Schweiz ausgewandert, wo ich lange Zeit in Genf wohnte. Ich bin also zum einen mit der albanischen Tradition, wie zum anderen mit der westlichen Musiktradition, dem Jazz, der Klassischen Musik usw. aufgewachsen. Das führte auch oft dazu, dass ich noch nicht genau wusste, wo mein Platz ist. Dies änderte sich aber, als ich begann diese beiden Welten zusammenzuführen, in dem ich die albanischen Texte mit meinen musikalischen Einflüssen kombinierte. Aufeinmal fühlte sich alles viel klarer an. Eine Erfahrung, die mich in meinem musikalischen Schaffen sehr bereichert hat, auch wenn ich mich in Zukunft nicht nur auf mein albanisch beschränken möchte.

“Matanë Malit” heisst auf Deutsch “Jenseits der Berge”. Ein Albumtitel in Bezug auf deine Heimat, so nah und doch so fern?

Elina Duni Das Album ist für mich tatsächlich eine Reise in die Ferne, die mir aber auch sehr vertraut ist. Gleichzeitig bezieht sich “Matanë Malit” aber auch auf die Standorte meiner beiden Heimatländer. Egal ob du von der Schweiz oder Albanien aus schaust, die Länder liegen immer Jenseits der Berge. Der Albumtitel bezieht sich aber auch auf das westliche Publikum. Die Texte handeln alle von universellen Themen, wie z.b. der Liebe, dem Tod, Freiheit. Themen die uns alle beschäftigen. Auch die Musik empfinde ich als sehr universell. Es sind also Stücke, die uns hier zwar fern sind, aber im Grunde genommen sehr vertraut.

Mit deinem neuen Album hast du dich musikalisch noch tiefer mit der Geschichte Albaniens auseinander gesetzt. Während du dich vorher noch in eher gewohnten Jazz/Balkanischen Klängen bewegt hast und dich schritt für schritt an den Fundus der balkanischen Folklore herangewagt hast, klingt “Matanë Malit” wie das Ergebnis einer langen Reise durch verschiedenste Einflüsse, die dich geprägt haben. Inwiefern unterscheidet sich für dich “Matanë Malit” von deinen anderen beiden Alben?

Elina Duni Wir sind an dieses Album ganz anders herangegangen als noch bei den letzten beiden. In unserem Zusammenspiel sind wir viel klarer geworden. Auch der Umgang mit den Klangfarben ist uns viel bewusster geworden. Ganz nach dem Motto “weniger ist mehr” haben wir es geschafft, der Musik diese Tiefe zu geben, in dem wir die Spannung viel ausgeglichener gestaltet haben. Im Vergleich zu “Lume Lume” klingt “Matanë Malit” reifer. Auch habe ich zu den traditionellen Stücken die wir umarrangiert haben, noch zwei eigene Stücke komponiert, was eine spannende Herausforderung für mich war. Zusammen mit meiner Band (Colin Vallon Piano, Norbert Pfammatter Drums, Patrice Moret Bass) und diesen zwei völlig verschiedenen kulturellen Einflüssen, ist dieses Album entstanden. Hätte ich nur in Albanien gelebt, würde meine Musik mit Sicherheit ganz anders klingen. Auf Metane Malit wollte ich die Aspekte der albanischen Poesie mit der traditionellen albanischen Folklore zusammenbringen. Es ist eine Hommage an die albanischen Dichter.

“Matanë Malit” ist am 21. September auf dem berühmten deutschen Jazz Label ECM veröffentlicht worden. Dein erstes ECM Album. Wie hast du die Arbeit mit dem Gründer und Produzenten des traditionsreichen Labels, Manfred Eicher erlebt?

Elina Duni Die Zusammenarbeit mit Manfred Eicher war sehr befruchtend. Er hatte die genau gleichen Vorstellungen wie wir. Von Anfang an war er von unserer Musik begeistert. Auch er wollte ein Album, welches nicht den einzelnen Musiker hervorhebt, sondern immer das Stück im Vordergrund steht. Es gibt also praktisch keine Jazzsoli im herkömmlichen Sinne, improvisiert wird im Kollektiv und immer mit dem Bewusstsein, dass das Stück an oberster Stelle steht. Mich hat Manfred auch stark beeindruckt mit welcher Euphorie er nach über 2000 produzierten Platten und über 40 Jahre Labelarbeit er noch an die Dinge herangeht und sich freuen kann wie ein kleines Kind. Er hat eine unglaubliche Weitsicht und war immer zur Stelle mit guten Ideen, wenn wir uns mal verloren haben.

Mit deiner Band und auch als Musikerin in anderen Projekten bist du ständig unterwegs und viel im Ausland. Seit Jahren wohnst du aber in der Schweiz. Fühlst du dich hier heimisch?

Elina Duni   Ja, ganz klar. ich fühle mich sehr wohl hier in Bern. Mir gefällt das kultivierte und offene Volk. Und auch wenn ich die grossen Städte im Ausland liebe, könnte ich dort nicht leben. Die Schweiz ist mein Zuhause.

Elina Duni, “Matanë Malit” (ECM)

Webpage und Tourdaten Elina Duni elinaduni.com

Tim and Puma Mimi

Presseschau: Tim & Puma Mimi – Die Gurken, Skype Band aus Zürich und Tokio

Am 11. Mai 2012 ist das neue Album “The Stone Collection Of” des Schweiz/Japanischen Electro Duo’s “Tim & Puma Mimi” auf dem Berner Label Mouthwatering Records/Irascible erschienen. Die Presse war entzückt, ja nahezu begeistert über deren bereits 2. Album. Eine Presseschau zum neuen Album.

“Gurken-Techno”

Christian Fischer und seine Frau Michiko Hanawa machen auf jede erdenkliche Art elektronische Musik.
Mal mit Hackbrett, mal mit Stromkabeln – und manchmal auch mit Gemüse.

«Bei uns funktionierte das Musikmachen von Anfang an», sagt Christian Fischer alias Tim. Als sie sich vor acht Jahren das erste Mal vor den Laptop setzten, um zu musizieren, produzierten sie innert weniger Tage vier Stücke. Diese kamen in der Elektropop-Szene derart gut an, dass das frisch gebackene Duo gleich in diverse angesagte Clubs im In- und nahen Ausland gebucht wurde. Egal, wie abgefahren Tims Ideen sind, seine Frau Mimi ist dabei. So elektrifizieren sich die beiden derzeit, um für ihre Musik schräge Töne zu produzieren. Aktuell erforscht Fischer mit seinem Wundergerät noch den Klang der Gurke. «Solange ein Gegenstand leitet, kann ich damit Klänge erzeugen und Eine Gurke eignet sich dafür sehr gut….», sagt der 35-Jährige….(Quelle: Tages Anzeiger 10.05.12)

Der Artikel ist auch eine liebevoll und charmante Anspielung an ihr “I feel Gurk” Video, bei dem sie die Melodie des berühmten Klassikers von James Brown “I feel good” auf einer Gurke nachspielen.

Von einer Japanischen Pop-Inszenierung redet die Neue Zürcher Zeitung und meint weiter:

«Das Rezept funktioniert: Japansiche Sprechgesänge und Girlie-Melodien interagieren mit knackiger Elektronika, tiefen Bass-Beats und einem Schuss Indie-Rock. Quere Klavier-Passagen, Steeldrum-Klänge, eine Querflöte und und ein Hackbrett spielen dazwischen. Musikalische Vielfalt und Direktheit passen zum Zeitgeist, die kunstvollen Videoclips und Pressefotos auch. Ein stimmiges Gesamtprodukt» (Quelle: Neue Zürcher Zeitung 11.05.12)

Die Aargauer Zeitung wertet das neue Album sogar mit 5 von 5 Sternchen und vergleicht dabei deren Musik mit Japan’s Kultur:

«Sämtliche Kulturen tun seit hundert Jahren dasselbe: Sie schlucken nach und nach die Elemente
der westlichen Kultur und verdauen sie halbwegs in ihrem Bauch. Japan hat sich dem Westen aber nur äusserlich unterworfen und sich seine eigene, hochraffinierte Version von Technologie und Modernität geschaffen. Wer mit Japan zu tun hat, wird umgehend in eine Art Spiel verwickelt…genau wie bei Tim & Puma Mimi, super Freaky!» (Quelle: Aargauer Zeitung 12.05.12)

Der Bund nimmt in seinem Artikel die kulturellen Unterschiede ebenfalls auf und meint:

«Ja, wenn die Welt ein globales Dorf ist, dann sitzen Michiko Hanawa und Christian Fischer von Tim & Puma Mimi im Ältestenrat. Denn so spielerisch, wie sie mit geografischen Grenzen umgegangen sind, übertölpeln sie auch musikalische
Gedankenschranken. Zwischen den beiden funkts, wenn auch nicht gleich musikalisch. Michiko findet Christians Musik zu düster, «da muss mehr Fröhlichkeit rein», sagt sie. Und er, der Melancholikerhymnen wie jenen von Portishead verfallen ist, denkt: Um Himmels willen, fröhliche Musik, da landet man entweder beim Schlager oder beim Halligalli. Also nimmt er sich vor, das Schelmenstück zu bewältigen und Michiko mit glücklich machenden Stücken zu beliefern, die zwar gut gelaunt, aber immer noch hintergründig klingen.» (Quelle: der Bund)

Tim & Puma Mimi Live:

  • 14.07.2012 / Gurtenfestival Waldbühne, Bern
  • 11.08.2012 / Palp Festival, Martigny
  • 28.08.2012 / Kaufleuten, Zürich

Album anhören
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Tim & Puma Mimi

Nun fliegt die Hildegard um die Welt – Dank Jazzahead.

Der 36-jährige Berner Stimmakrobat Andreas Schaerer gehört zweifelsohne zu den interessantesten Vocalisten der Schweizer Musikszene. Dessen grosses Talent ist auch dem Meister selbst, Bobby McFerrin, nicht entgangen, mit d

em er am diesjährigen Cully Jazz Festival bereits zum 3. Mal auf der Bühne stand. Sein abwechslungsreiches und vielfältiges musikalisches Schaffen ist ihm ebenso wichtig, wie seine eigene virtuose Jazz Klamauk Band “Hildegard lernt fliegen.”

Mit letzterer trat er vor kurzem an der diesjährigen europäischen Jazz Messe “Jazzahead” auf. Ein Auftritt, der von allen Seiten frenetisch gefeiert wurde und Auslöser für die kommenden Konzerte rund um den Globus war, wie Andreas Schaerer im Interview erklärt:

Dein 30 minütiges Showcase mit Hildegard Lernt Fliegen an der diesjährigen Jazzahead (dem wichtigsten Treffpunkt der europäischen Jazzszene ) wurde vom Publikum frenetisch gefeiert. Die Jazzmesse gilt natürlich vorallem als Sprungbrett um im internationalen Musikmarkt Fuss fassen zu können. Was hat sich daraus ergeben?

Andreas Schaerer Wir arbeiten neu mit F-Cat zusammen, einer sehr renommierten Booking Agentur aus Berlin. Im Herbst sind wir auf in China auf Tour, werden unser Album in Grossbritannien releasen und am London Jazz Festival spielen. Das israelische Red Sea Jazzfestival hat ebenfalls angeklopft und wir haben aber noch einiges im Köcher, was aber zur Zeit noch nicht spruchreif ist. Die Jazzahead hat sich also für uns sehr gelohnt!
So eben ist das 3. Album “Live in Moscow” von Hildergard Lernt Fliegen erschienen. Nach 2 Studio Alben nun schon ein Live Album zu veröffentlichen ist eher ungewönlich. was war eure Idee dahinter?
Andreas Schaerer Nun, diese Band entwickelt Live eine unglaubliche Energie. Eigentlich ist es eher komisch, dass wir zuerst 2 Studio Alben produziert haben und erst dann eine Live Platte. Es war uns schon lange ein Anliegen die Live Qualität dieser Band einzufangen, die Stimmung auf unserer Russland Tour war einmalig und ideal für dieses Unterfangen. Gleichzeitig war es ja auch die Idee Hildegard Lernt Fliegen visuell einzufangen. Darum auch die Zusammenarbeit mit Michelle Brun die zum Film “Tales Wander“ geführt hat. Es ist also nicht “nur” eine Live Platte entstanden sondern eine Art “Gesamtkunstwerk” mit Film und Live Platte und dickem Tourbuch und Plakat. Das ganze wie immer vom “Hofillustratoren” Peter Bäder wundervoll eingepackt.

Nebst deiner eigenen Band leitest du auch das alljähriliche Jazzfestival Jazzwerkstatt Bern, bist Dozent an der Hochschule der Künste Bern und singst noch in diversen anderen Bands u.a. mit den Trio’s Rom Schaerer Eberle und Das Beet, mit denen du momentan auf Tour bist. Wie bringt man das alles unter einen Hut, ohne sich dabei zu verzetteln?

Andreas Schaerer Ich versuche sehr fokussiert zu arbeiten. Planerisch verfolge ich alle Projekte parallel und plane dabei sehr weit in die Zukunft, bis zu 18 Monate im Voraus ist da keine Seltenheit, künstlerisch arbeite ich aber meistens nur an einer „Baustelle“ und lebe sehr im Moment. Ich denke kaum weit voraus und lebe stark im Augenblick. So behalte ich den Fokus.
Ich plane ausserdem bewusst immer wieder Ruhephasen ein, in denen ich gar nichts mache ausser meine Familie zu geniessen und mit meinem dreijährigen Sohn Levin zu jammen – was übrigens eines der spannensten Duoprojekte ist in welches ich z.Zt involviert bin.

Kürzlich standest du im Rahmen des Cully Jazz Festivals bereits zum 3. Mal mit Bobby McFerrin auf der Bühne. Mit wem würde es dich ebenfalls reizen mal zu performen und weshalb?
Andreas Schaerer Am diesjährigen Cully Jazz hat mich Bobby für ein Duo eingeladen. Das war eine sehr schöne Erfahrung und musikalisch richtig fett! Es würde mich sehr freuen in Zukunft mal einen ganzen Gig im Duo mit Bobby zu spielen. Andere Träumereien, wären, dass Pierre Boulez mal eine Komposition von mir dirigieren würde, es würde mich dabei vor allem interessieren, was passiert wenn ein solcher Meister meine Musik auf einen Klangkörper übersetzt. Ist vielleicht etwas hoch gegriffen, aber man weiss ja nie.

Was steht als nächstes bei dir an und worauf freust du dich ganz besonders?

Andreas Schaerer Im Moment freue ich mich vor allem darauf, einen relativ entspannten Sommer vor mir zu haben. Es gibt richtig Urlaub ohne Internet und mit schlechtem Handyempfang – wunderbar. Musikalisch freue mich sehr darauf ab dem Herbst mit einer Auftragskomposition für das ARTE Quartett anzufangen und mit HLF im Oktober in China auf Tour zu gehen. Daneben gibt’s immer wieder kleine Leckerein. So bin ich mit Bänz Oester gerade unsere zweite CD am fertig mischen – wird ein absoluter Kontrapunkt zu meinen anderen Projekten,habe die holländische Band “the Ploctones” für 3 Gigs in die Schweiz eingeladen, bin mit Rom-Schaerer-Eberle im herbstlichen Paris, demnächst beginnen wir mit der Programmplanung für die Jazzwerkstatt 2013 … es gibt wirklich ein paar wunderschöne “Schmankerl” auf die ich mich sehr freue.

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